Panorama

"Nicht besonders förderlich" STIKO-Chef kritisiert Druck bei Kinderimpfung

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Beim Thema Kinderimpfung seien Einzelmeinungen von Politikern "nicht besonders förderlich", so STIKO-Chef Mertens.

(Foto: picture alliance/dpa)

Derzeit wird diskutiert, ob nicht auch möglichst viele Kinder ab 12 Jahren gegen Covid-19 geimpft werden sollten. Die Ständige Impfkommission empfiehlt dies bisher nicht. Deren Chef kritisiert im Gespräch mit ntv den öffentlichen Druck, der derzeit durch manche Politiker aufgebaut wird.

Fast täglich gibt es neue Forderungen an die Ständige Impfkommission (STIKO) doch endlich die Impfung für alle Kinder von 12 bis 15 Jahren zu empfehlen. Im Interview mit ntv kritisiert der Vorsitzende der STIKO, Thomas Mertens, solche Äußerungen: "Ich bedaure es, weil ich nicht glaube, dass das wirklich hilfreich ist". Nicht nur die Mitglieder der STIKO und auch die Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts täten alles, um die Empfehlungen aufgrund der aktuellen Erkenntnis zu erarbeiten und auch anzupassen.

"Wir warten sehr dringend auf Auswertungen aus den Vereinigten Staaten vor allen Dingen. Dort gibt es zwar Meldungen über Herzmuskelentzündungen nach Impfungen, aber die wirkliche Auswertung liegt da noch nicht vor. Wir hoffen, die in den nächsten Wochen zu bekommen", so Mertens. "Insofern sind so Einzelmeinungen, die von Politikern spontan geäußert werden, eigentlich nicht besonders förderlich."

"Aber es ist natürlich verständlich, dass gerade in Zeiten des Wahlkampfes die Politiker das Bedürfnis verspüren sich zu Dingen zu äußern, die die Menschen bewegen", sagt Mertens. Er stellt aber klar, dass ihn das nicht beeinflusse. "Wir werden weiter so vorgehen wie bisher." Mertens weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass es das Wichtigste sei, alle Erwachsenen zu impfen. Das dürfe in der Diskussion nicht untergehen. "Das ist wirklich entscheidend. Das ist entscheidend für den Schutz der Erwachsenen und auch letztlich für den Schutz der Kinder. Je mehr Erwachsene geimpft sind, desto mehr kann eine künftige Welle abflachen."

"Dritte Impfung für alle nötig"

Die geänderte Impfempfehlung, die es seit einer Woche für die Zweitimpfungen nach Astrazeneca gibt, hält Mertens nicht für den Grund, dass Impftermine nicht wahrgenommen werden. Das sei auch schon vorher der Fall gewesen. Aber auch er sehe, dass in diesen Zeiten die Menschen schnell verunsichert seien. Aber: "Das Ändern oder das Anpassen der Empfehlungen erfolgt ja nicht, weil die STIKO ihre Meinung geändert hat, sondern weil sich die Grundlage der Daten, also die wissenschaftlichen Erkenntnisse, geändert haben. Und es dient ja gerade dem Schutz, dem verbesserten Schutz."

Was eine mögliche dritte Auffrischungsimpfung angeht, glaubt der STIKO-Chef, dass vor allem speziell erkrankte Menschen, deren Immunsystem nicht gut arbeite, diese brauchen werden. Zudem stelle sich die Frage, ob nicht auch ältere Menschen, deren Impfung schon einige Zeit zurückliege, eine dritte Impfung bekommen müssten. Aber was ist mit allen anderen? "Ich persönlich glaube, dass es auch dort nötig sein wird, eine Auffrischungsimpfung durchzuführen." Aber das sei im Augenblick noch nicht zu sagen, so Mertens.

Quelle: ntv.de, kst

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