Panorama

Strenge Ausgangsregeln in Kraft Sachsen droht ein harter Lockdown

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Im Landkreis Bautzen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 400.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Sachsen entwickelt sich zum Corona-Hotspot. Die Bevölkerung darf in weiten Teilen des Freistaats das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen. Ministerpräsident Kretschmer schließt auch schärfere Maßnahmen nicht aus. Er schwört auf einen harten Winter ein und befürchtet steigende Todeszahlen.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hat einen härteren Lockdown angekündigt - falls die Corona-Infektionszahlen bis Weihnachten nicht heruntergehen. "Dann werden wir nach Weihnachten die Kindergärten nicht mehr öffnen können. Dann werden die Schulen länger geschlossen bleiben. Dann müssen wir darüber sprechen, ob die Geschäfte für eine gewisse Zeit lang geschlossen bleiben", sagte der Regierungschef auf Instagram. Dort beantwortete Kretschmer Nutzer-Fragen.

Er hoffe, dass die bisherigen Maßnahmen ausreichend sind. "Es hängt sehr davon ab, dass wir uns alle an die Maßnahmen halten, weil die Alternative wäre ein wirklich kompletter Lockdown und eine wirkliche Ausgangssperre. Das wollen wir auf jeden Fall verhindern", sagte Kretschmer. Alles zu schließen wie im Frühjahr, wäre eine sehr teure Maßnahme. "Diese Kraft hat der Freistaat Sachsen nicht." Schon bei der Vorstellung der neuen Coronaschutzverordnung hatte Kretschmer von einem Lockdown gesprochen, sollten die Maßnahmen im Dezember nicht wirken.

Sachsen zieht die Zügel an

Der Freistaat fährt nach Angaben von Kretschmer jetzt einen harten Kurs. "Es gilt nahezu im gesamten Freistaat bis auf die drei großen Städte, die ein anderes Infektionsgeschehen haben, eine Ausgangsbeschränkung", sagte der CDU-Politiker im ZDF. Menschen dürften das Haus nur aus wichtigen Gründen verlassen. Zudem wurden die Maskenpflicht ausgeweitet und Alkoholverbote erlassen. Man müsse die Zahl der Neuinfektionen unbedingt rasch senken. Kretschmer appellierte an die Bevölkerung, die Lage sehr ernst zu nehmen: "Es ist höchste Eile geboten."

Der Ministerpräsident warnte vor überlasteten Krankenhäusern: Die Situation sei Corona-bedingt "extrem angespannt, und das jetzt schon - ohne die saisonale Grippe". Deutschland könne auf derzeitigem Infektionsniveau "nicht durch den Winter kommen, wenn wir die medizinische Versorgung garantieren wollen". Die Bevölkerung drohe "eine ganze Reihe von Menschen" zu verlieren - auch jüngere.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden in den vergangenen 24 Stunden 17.270 Corona-Neuinfektionen registriert. Die Zahl der Todesfälle stieg um 487. Dies ist ein neuer Höchstwert innerhalb eines Tages. Die Gesamtzahl der Toten in Verbindung mit einer Corona-Infektion liegt nun in Deutschland bei 17.123. Sachsen verzeichnet derzeit bundesweit die höchste Rate an Neuinfektionen binnen 7 Tagen je 100.000 Einwohner.

Keine Lockerung im Januar erwartet

"Wir haben dieses Virus unterschätzt, alle miteinander", sagte Kretschmer vor einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder. Er forderte ein "Umdenken" und "konsequentes Handeln" von Politik und Bevölkerung und schloss schnelle Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aus. "Auch in den Januartagen kann es noch so weiter gehen." Gastronomie und Hotels werden ihm zufolge auch im neuen Jahr voraussichtlich nicht rasch öffnen. Es gelte, sich Freiheiten wieder zu "erarbeiten", sagte Kretschmer weiter.

Der Streit über die Finanzierung der Corona-Hilfen zwischen Unionspolitikern in Bund und Ländern ist aus seiner Sicht "völlig an den Haaren herbeigezogen". Sachsens Ministerpräsident forderte "Ruhe, Sachlichkeit und Verstand" beim Thema Corona - und einen "Kassensturz" nach einer Erholung des Pandemie-Geschehens. Derzeit sei ein Streit um Geld "das letzte, was wir brauchen".

Bei der Videokonferenz mit Merkel am Nachmittag handelt es sich anders als bei den vielen Runden zur Corona-Politik in den vergangenen Monaten um einen regulär anstehenden Bund-Länder-Termin - deshalb wird es zwar um die Pandemie gehen, aber auch um viele andere Themen. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert sind zu Corona keine "neuen Beschlüsse in der Sache" zu erwarten.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/rts/dpa

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