Panorama

Manifest für AlleinerziehendeSandberg unterschätzte Probleme

10.05.2016, 14:41 Uhr
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Sandberg ist nach dem Tod ihres Mannes eine Single-Mom. (Foto: AP)

Sheryl Sandberg gilt als erfolgsorientiert und zielstrebig. Doch seit dem Tod ihres Mannes sammelt die Facebook-Managerin Erfahrungen, die sie offenbar nachdenklich und demütig machen.

Sheryl Sandberg verlor vor einem Jahr ihren Mann, seitdem ist sie alleinerziehende Mutter. Zum Muttertag veröffentlichte sie einen Post, in dem sie den Single-Müttern dieser Welt Respekt zollt.

Darin schreibt die Facebook-Managerin, sie habe die Probleme alleinerziehender Mütter bisher vollkommen unterschätzt. Vor dem Tod ihres Mannes habe sie deren Lage "nicht richtig verstanden". Sandberg nahm dabei Bezug auf ihren Bestseller "Lean in", in dem sie Frauen zu mehr Karrierewillen im Berufsleben geraten hatte. Auf dem Weg zur nächsten Beförderung, hatte Sandberg vor drei Jahren geschrieben, dürfe auch die Betreuung der Kinder keine Ausrede sein.

Inzwischen sieht sie die Dinge offenbar ein wenig anders: Für sie sei die Welt der Alleinerziehenden auch ein Jahr und fünf Tage nach dem Tod ihres Mannes eine "neue und unbekannte Welt". Sie habe nicht gewusst, wie schwer es sei, im Beruf erfolgreich zu sein, wenn man von den Schwierigkeiten zu Hause regelrecht erdrückt werde. "Ich verstand nicht, wie oft ich in die verweinten Gesichter meiner Tochter und meine Sohnes schauen würde und nicht wissen würde, wie ich diese Tränen trocknen kann."

Alles allein machen

Sie und ihre Kinder würden immer wieder daran erinnert, was sie nicht mehr haben, beispielsweise bei den zahlreichen Vater-Ereignissen in der Schule. Für viele alleinerziehende Mütter sei dies die einzige Welt, sie sie kennen. "An jedem Tag bringen sie Opfer, durchbrechen Barrieren und nähren ungeachtet ihrer eigenen Zeit und Energie ihre wunderschönen Familien."

Sandberg betont, sie habe schon zu Lebzeiten ihres Mannes gewusst, wie gut sie es mit einem sie unterstützenden Partner habe. Jetzt merke sie jedoch erst, wie schwierig es sei, wenn man keinen Partner habe, mit dem man die zahlreichen Probleme besprechen kann. "Bevor Dave starb, hatte ich einen Partner, mit dem ich die Freuden und die Pflichten der Elternschaft geteilt habe. Plötzlich war ich, ohne Vorwarnung, allein." An ihrem Buch sei kritisiert worden, dass sie zu wenig über die Schwierigkeiten von Frauen geschrieben habe, die unkooperative oder gar keine Partner hätten. "Sie hatten Recht."

Veraltetes Familienbild

Die Annahme, dass alle Kinder mit einem heterosexuellen Elternpaar lebten, nennt Sandberg völlig veraltet. In den USA habe sich die Zahl der alleinerziehenden Mütter seit den 1970er Jahren fast verdoppelt. Fast 30 Prozent der Familien seien inzwischen Ein-Eltern-Familien, in 84 Prozent der Fälle sei das die Mutter. "Doch unsere Einstellungen und unsere Politik reflektieren diese Verschiebung nicht."

Sie könne heute die Schwierigkeiten alleinstehender Frauen viel besser verstehen, besonders wenn sie finanziell nicht so privilegiert seien wie sie selbst. 40 Prozent der Ein-Eltern-Familien lebten in Armut, viele hätten nicht einmal genug zu essen. Viele alleinerziehende Mütter hätten mehr als einen Job, und dabei sei sie Versorgung der Kinder nicht mit eingerechnet.

Die alleinerziehenden Mütter verdienten eine unterstützende Gemeinschaft. "Muttersein ist der wichtigste – und der am meisten demütigende Job – den ich je hatte. Wenn wir also die Mutterschaft feiern, dann sollten wir besonders den Frauen danken, die ihre Kinder allein großziehen."

Quelle: ntv.de, sba

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