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Zweiter Impfkandidat erst 2022 Sanofi erleidet erneuten Rückschlag

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Sanofi-Chef Hudson klammert sich an die Hoffnung, das Vakzin seines Unternehmens könne im Kampf gegen Mutanten noch eine wichtige Rolle spielen.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Die EU hat beim französischen Pharmakonzern eine Großbestellung abgegeben: 300 Millionen Dosen soll das Unternehmen aus der Kooperation mit GSK liefern. Doch dies verzögert sich. Bei der Entwicklung eines zweiten Impfstoffs vertröstet das Unternehmen nun auf das nächste Jahr.

Beim französischen Pharmakonzern Sanofi reißen die Rückschläge beim Entwickeln eines Corona-Impfstoffs nicht ab. Das mit dem US-Partner Translate Bio entwickelte Vakzin, werde in diesem Jahr nicht zur Verfügung stehen, sagte der Chef des Arzneimittelherstellers, Paul Hudson, der Zeitung "Le Journal du Dimanche". Bislang war Sanofi davon ausgegangen, dass eine Zulassung schon in der zweiten Jahreshälfte 2021 möglich sei.

Der Kandidat basiert auf der neuartigen mRNA-Technologie, die auch Pfizer und BioNTech sowie Moderna für ihre bereits zugelassenen Impfstoffe nutzen. Klinische Studien sollten noch in diesem Quartal beginnen. "Dieser Impfstoff wird nicht in diesem Jahr fertig sein, aber er könnte zu einem späteren Zeitpunkt von Nutzen sein - umso mehr, wenn der Kampf gegen Mutationen weitergeht", sagte Hudson.

Die Nachricht ist ein weiterer Rückschlag für Sanofi. Das Unternehmen kämpft bereits mit einer Verzögerung bei seinem anderen Covid-19-Impfstoffkandidaten, für das es sich mit der britischen GlaxoSmithKline (GSK) zusammengetan hat. Die beiden Unternehmen hatten im Dezember mitgeteilt, dass das Mittel bei älteren Erwachsenen keine ausreichende Reaktion des Immunsystems hervorrief.

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Ungeachtet des neuerlichen Rückschlags spielt Sanofi schon in diesem Jahr eine wichtige Rolle im Kampf gegen Corona: Die Franzosen wollen ab Sommer mehr als 125 Millionen Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs für die EU liefern. Dazu gewährt Sanofi dem Mainzer Unternehmen Biontech Zugang zu seiner Produktionsinfrastruktur, hatte es Ende Januar geheißen. Die ersten Lieferungen soll es im Sommer 2021 aus den Produktionsanlagen von Sanofi in Frankfurt geben. Dafür soll eine Anlage genutzt werden, in der Sanofi bislang Diabetes-Medikamente herstellte.

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Zuvor hatte die französische Regierung Sanofi wiederholt aufgefordert, die Möglichkeit zu prüfen, seine Produktionsstätten zur Verfügung zu stellen, um die Herstellung bereits bestehender Impfstoffe der Konkurrenz zu beschleunigen.

Die EU hat bei Sanofi 300 Millionen Impfdosen aus der Kooperation mit GSK geordert. Für Deutschland sind davon nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 55 Millionen Dosen geplant. Da sich die Probleme im Vergleich zu anderen Impfprojekten vergleichsweise früh angedeutet hatten, war aus Deutschland der Vorwurf gekommen, der Vertrag mit Sanofi sei auf Druck der französischen Regierung zustande gekommen. Die Kommission wies dies zurück.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP/dpa