Panorama

14.919 neue Fälle in Brasilien São Paulo meldet mehr Corona-Tote als China

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Auf Friedhöfen werden unterirdische, gekühlte Lagerkammern eingerichtet.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In Brasilien steigt die Zahl der Corona-Fälle rasant. Obwohl vergleichsweise wenige Tests vorgenommen werden, melden nur drei Länder mehr Erkrankungen. Präsident Bolsonaro spielt die Gefahr weiter herunter, der Druck auf ihn dürfte aber steigen.

In Brasilien breitet sich das Coronavirus rasch aus. Das südamerikanische Land verzeichnet nunmehr die vierthöchste Infektionszahl weltweit und damit mehr als Spanien und Italien. 14.919 Neuinfektionen seien binnen 24 Stunden registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium in Brasilia mit. Insgesamt seien damit 233.142 Fälle bekannt.

Mehr Ansteckungsfälle haben nur die USA, Russland und Großbritannien registriert. Dabei wird in Brasilien nur ein Bruchteil der Tests in diesen drei Ländern vorgenommen, die Dunkelziffer dürfte daher weit höher sein. Immer mehr Krankenhäuser haben keine freien Intensivbetten mehr, provisorische Kliniken öffnen. Auf Friedhöfen werden die Leichen in Massengräbern beerdigt.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Viruserkrankung stieg um 816 auf 15.633, allein der Bundesstaat São Paulo hat China bei der Zahl der gemeldeten Corona-Toten überholt. Demnach sind in dem mit mehr als 40 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaat Brasiliens bislang 4688 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben, in China mit mehr als einer Milliarde Einwohnern sind dies nach offiziellen Angaben 4637 Menschen. Nach den Daten der in den USA beheimateten Johns-Hopkins-Universität liegt das Land mit kontinentalen Ausmaßen damit bei der Zahl der Todesopfer weiter auf Platz sechs.

Bolsonaro hat Gefahr lange geleugnet

Die Entwicklung dürfte den Druck auf Präsident Jair Bolsonaro weiter erhöhen. Immer wieder protestieren zahlreiche Menschen gegen den Kurs des weit rechts stehenden Politikers im Kampf gegen das Virus. Dessen Gefahr hat Bolsonaro lange geleugnet, er sprach von einer "kleinen Grippe". Der Präsident kritisiert scharf die Beschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Gouverneure. Er argumentiert, die Schließung von Geschäften, Restaurants und Schulen sowie Quarantäne-Vorschriften und Kontaktbeschränkungen seien für die Wirtschaft des Landes nicht tragbar.

Im Streit über den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat Bolsonaro erst am Freitag den zweiten Gesundheitsminister innerhalb eines Monats verloren. Nelson Teich trat zurück. Zwischen der Entlassung von dessen Vorgänger Luiz Henrique Mandetta Mitte April und dem Rücktritt Teichs stieg die Zahl der Corona-Toten in Brasilien in 29 Tagen nach Angaben der Zeitung "Estado de S. Paulo" um 666 Prozent.

Quelle: ntv.de, tsi/rts/dpa