Panorama

100 Prozent Erstattung gefordert Schausteller erzürnt Weihnachtsmarkt-Verbot

266085667.jpg

Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz: Für viele Schausteller steht ihre Existenz auf der Kippe.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die Hütten schon aufgebaut, die Glühweinkessel geschrubbt, die 2G-Kontrollen organisiert: Trotz aller Sorgfalt dürfen viele Weihnachtsmärkte nicht öffnen. Die Schausteller sind zornig und verstehen das Verbot bei frischer Luft nicht. Sie fordern 100 Prozent Entschädigung.

Angesichts der Absage vieler Weihnachtsmärkte hat der Deutsche Schaustellerbund massive staatliche Finanzhilfen gefordert. Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes: "Es muss eigentlich zu einer hundertprozentigen Entschädigung kommen. Mindestens brauchen wir wie im vergangenen Jahr eine November- und Dezemberhilfe. Sonst stehen viele Schausteller vor dem Aus."

Die wirtschaftliche Lage der Schausteller sei "äußerst dramatisch", sagte Ritter. Ich habe selbst einen KfW-Kredit aufgenommen, den muss ich ab Oktober zurückzahlen. Wie soll ich das machen?" Die Bundesregierung müsse bei den Hilfen massiv nachbessern. "Was nützt es mir, wenn ich verderbliche Saisonware abschreiben lassen kann? Wir müssen Gewinne erwirtschaften. Ich habe das Gefühl, die Politiker wissen nicht, wie das ist, von der Tageskasse abhängig zu sein und damit seine Familie ernähren zu müssen. Das kann man aber wohl nicht verstehen, wenn man als Minister eine fette Pension bekommt."

Unter den Schaustellern herrschten Verzweiflung und Wut, sagte Ritter. Sie fühlten sich von der Politik im Stich gelassen. "Wir Schausteller fühlen uns völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wir können nicht verstehen, warum Weihnachtsmärkte mit 2G-Regeln abgesagt werden. Ich war vor Kurzem in Erfurt: Da wurde der Weihnachtsmarkt mit Eingangsschleusen und 2G abgesagt - und nebenan haben Gastronomie und Einzelhandel geöffnet. Das kapieren wir nicht. Wenn Weihnachtsmärkte an der frischen Luft abgesagt werden, treffen sich die jungen Leute zu Hause, das macht keinen Sinn."

Altmaier will Fixkosten ersetzen

Der Bund hatte bereits angekündigt, Betreiber von Weihnachtsmärkten stärker zu unterstützen. Der geschäftsführende Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU hatte am Mittwoch gesagt, dabei gehe es etwa um einen erleichterten Zugang zu Eigenkapitalzuschüssen.

Die bis Jahresende befristete Überbrückungshilfe ist bis Ende März 2022 verlängert worden. Dabei bekommen von der Pandemie belastete Firmen betriebliche Fixkosten erstattet. Das Wirtschaftsministerium hatte erklärt, bereits jetzt könnten Aussteller auf Weihnachtsmärkten die geltende Überbrückungshilfe III Plus erhalten, für sie "besonders relevant" sei die Abschreibung auf verderbliche Ware und Saisonware. Bei den milliardenschweren November- und Dezemberhilfen waren im vergangenen Jahr Firmen unterstützt worden, die wegen Schließungsverordnungen der Länder den Geschäftsbetrieb einstellen mussten. Die Höhe einer Kostenpauschale betrug bis zu 75 Prozent des jeweiligen Vergleichsumsatzes im Vorjahr.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen