Panorama

Zoff über Ansteckung im Freien Scheuch attackiert Lauterbach auf Twitter

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Warnt vor Corona-Übertragungen an der frischen Luft: Karl Lauterbach.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Für den Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch sind Corona-Infektionen fast ausschließlich ein Innenraum-Problem. Eine Darstellung, der Karl Lauterbach vehement widerspricht. Zwischen den beiden entsteht ein Disput auf Twitter, welcher mitunter in deutlicher Sprache ausgetragen wird.

Auf Twitter hat sich ein Streit zwischen dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach und dem ehemaligen Präsidenten der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, entzündet. Ausgangspunkt war ein Video, das ein früherer Harvard-Epidemiologe aus den USA auf Twitter veröffentlichte und das Lauterbach geteilt hat. Darauf ist eine eng zusammenstehende Gruppe von Menschen zu sehen, die gleichzeitig den Dampf von E-Zigaretten ausatmet und auf diese Weise den Ausstoß von Aerosolen simuliert.

"Steht man eng zusammen und atmet die Ausatmung des Nachbarn ein, zieht man die Virenaerosole ein", schreibt Lauterbach dazu. Lautes Sprechen und Menschengruppen bieten dem Bundestagsabgeordneten zufolge auch draußen das erhöhte Risiko einer Ansteckung.

Unter dem Beitrag widerspricht Scheuch den Aussagen in deutlicher Sprache. "Das ist vollkommener Unsinn. Bitte machen Sie uns ernsthafte Aerosolforscher nicht lächerlich." Scheuch betont, dass die "allermeisten Ansteckungen" drinnen stattfinden würden. Selbst bei engem Zusammenstehen würden sich Aerosole schnell verdünnen. "In einer Gruppe wird sich maximal ein Superspreader befinden und nicht jeder in der Gruppe atmet Viren aus."

Zuvor veröffentlichte Scheuch den Beitrag eines anderen Twitter-Nutzers, welcher an Lauterbach schrieb: "Vor ein paar Tagen twitterten Sie, dass es draußen gar nicht auf Aerosole ankommt - sondern auf Tröpfchen. Sie haben offenkundig in Ihrer eigenen Schwurbelei völlig den Überblick verloren."

Lauterbach teilte daraufhin einen weiteren Tweet, in dem vermeintliche Ergebnisse einer auf Twitter kursierenden Publikation richtiggestellt werden, auf die sich auch Scheuch bezogen haben soll. Diese besagt angeblich, dass nur 0,1 Prozent der Ansteckungen draußen stattfinden. Dabei seien jedoch Zitate aus dem Zusammenhang gerissen worden. Lauterbach zufolge gebe es eine hohe Dunkelziffer an Übertragungen im Freien, die lediglich statistisch nicht erfasst werden. "Schade, dass auch Prof. Scheuch den Unsinn teilt", schreibt er dazu. Auch Scheuch stellte daraufhin klar, dass es sich um keine repräsentative Studie gehandelt habe.

Hintergrund der Diskussion sind wohl auch zuletzt getätigte Äußerungen Scheuchs. Im Interview mit ntv erklärte der Aerosol-Experte etwa, dass die Gefahr einer Ansteckung im Außenbereich relativ gering sei. Beim Joggen oder Spazierengehen könne nichts passieren. Ein erhöhtes Risiko bestehe nur, "wenn Sie sehr lange sehr eng mit einer Person zusammenstehen, sich direkt gegenüberstehen und unterhalten". Ein Standpunkt, den Lauterbach nicht teilt.

Quelle: ntv.de, mdi

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