Panorama

Die männlichste aller Nächte Schotte starb wohl bei Stag-Night in Hamburg

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Die Hamburger Reeperbahn ist ein beliebtes Ziel für Junggesellenabschiede.

(Foto: picture alliance / Axel Heimken/)

Wochenlang suchen Polizei und Familie nach Liam Colgan. Der Schotte verschwand auf einem Junggesellenabschied in Hamburg. Nun wird die Leiche des 29-Jährigen gefunden. Er ist wohl das jüngste Opfer der sogenannten Stag-Nights.

Zuletzt wurde der Schotte Liam Colgan am 10. Februar auf der Hamburger Reeperbahn gesehen. Gemeinsam mit 18 Familienmitgliedern und Freunden feierte der 29-Jährige in Deutschland den Junggesellenabschied seines Bruders Eamonn.

Kurz darauf sollte er Trauzeuge auf der Hochzeit von Eamonn und dessen Verlobter Susan Dolan sein. Doch dann verschwand Liam Colgan und obwohl die Familie Hamburger Obdachlosenunterkünfte durchsuchte und bei Facebook nach dem Verschwundenen fahndete, blieb er unauffindbar. Am Morgen wurde nun aus der Elbe in der Hamburger Hafencity eine Leiche geborgen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es Liam Colgan. Damit steht wohl fest, der junge Schotte ist das bisher letzte Opfer eines Trends, der sich in Großbritannien abzeichnet: Tod beim Junggesellenabschied.

Dem britischen "Guardian" zufolge sind die Treffen der gerade-noch-unverheirateten Männer mit ihren Freunden inzwischen zu einem regelrechten "Männlichkeitstest" geworden. Derjenige, der vom unverheirateten zum verheirateten Mann wird, wird, wie der Soziologe Thomas Thurnell-Read es nennt, von seinen Freunden dafür "rituell bestraft", mit lächerlicher Kleidung und einem letzten exzessiven Besäufnis.

Alkohol und gekaufter Sex

In Zeiten billiger Flugpreise finden diese Junggesellenabschiede inzwischen nur noch selten in der Kneipe um die Ecke statt. Die Gruppen fliegen stattdessen für ein verlängertes Wochenende nach Ibiza, Budapest, Magaluf oder eben Hamburg. Bei den Ausflügen ist das Programm oft ähnlich: Es gibt sehr viel Alkohol, oft auch andere Drogen. Der Besuch von Prostituierten ist häufig inklusive, wenigstens Stripperinnen müssen es aber sein.

Der "Guardian" geht davon aus, dass in den letzten zehn Jahren mindestens 30 Briten bei "Stag-Nights" ums Leben gekommen sind. 2017 waren es allein zehn Fälle. Das Phänomen scheint immer gravierender zu werden, auch wenn es keine offizielle Statistik dazu gibt. Die Todesursachen sind Unglücksfälle, die sich häufig wegen des hohen Alkohol- oder Drogenkonsums ereignen. Eine eigene Kategorie stellen dabei Balkonstürze dar. Auch Schlägereien mit tödlichem Ausgang sind nicht so selten. Manchmal führt schon der Rausch allein zu tödlichen Vergiftungen. Oder der Alkoholmissbrauch geht eine unselige Verbindung mit mehr oder weniger bekannten Vorerkrankungen ein.

Liam Colgan konsumierte seinem Bruder zufolge keine Drogen, hatte aber am Abend seines Verschwindens jede Menge Alkohol getrunken. Thurnell-Read spricht von einer romantisierten Form männlicher Freundschaft, in der sich kaum jemand dem Gruppenzwang entziehen kann. Niemand will der Spielverderber in dieser männlichsten aller Nächte sein.

Auch in Deutschland bekommt die Polizei inzwischen immer häufiger mit dem Phänomen zu tun. Im März verschwand ein Schweriner, der seinen Junggesellenabschied in Sachsen gefeiert hatte. Der 35-Jährige wurde schließlich in einer psychiatrischen Einrichtung bei Leipzig gefunden und verpasste seine eigene Hochzeit. In Dortmund artete Anfang April ein Junggesellenabschied am Hauptbahnhof zu einer Massenschlägerei aus. Mindestens drei Männer wurden vorübergehend festgenommen.

Eamonn Colgan hatte seine Hochzeit aufgeschoben, bis sein Bruder wieder da ist und Trauzeuge sein kann. Dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen.

Quelle: ntv.de