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Datenschützer sind alarmiert Schufa will Kontoauszüge durchleuchten

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Die Daten für die Prüfung werden nur für den Zweck und ganz kurz gespeichert, heißt es vonseiten der Schufa.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Die Schufa will offenbar Einblicke in die Kontoauszüge der Deutschen bekommen. Mithilfe eines neuen Service könnte sie sämtliche Kontobewegungen nachvollziehen. Die Wirtschaftsauskunftei verkauft es als zweite Chance für nicht-kreditwürdige Kunden, Datenschützer befürchten allerdings Nachteile.

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei, die Schufa, will künftig offenbar Verbraucherinnen und Verbraucher auch anhand ihrer Kontoauszüge bewerten. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" testet die Schufa seit Anfang November zusammen mit dem Mobilfunkkonzern Telefónica/O2 einen neuen Service, mit dem sie an sensible Daten gelangen kann.

"Check Now" heißt das Angebot und klingt zunächst verlockend: Potenzielle Neukunden, die aufgrund ihrer schlechten Bonität normalerweise keinen O2-Handyvertrag bekommen würden, können sich von der Schufa auf ihr Konto schauen lassen. So kann die Auskunftei eine neue und womöglich bessere Bonitätsbewertung erstellen, die dann doch einen Handyvertrag möglich macht. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Nutzer müssen bei "Check Now" einwilligen, dass die Schufa die eigenen Kontoauszüge systematisch auswerten, zwölf Monate lang speichern und weiterverarbeiten darf. Damit könnte die Auskunftei einen detailgenauen Einblick in Millionen Kontobewegungen bekommen, heißt es in den Berichten. Beispielsweise könnte sie sehen, wie viel Gehalt jemand bekommt, was er für Versicherungen hat, wie viel Geld er für Einkäufe ausgibt und was ihn der Unterhalt seiner Kinder kostet. Das Wissen daraus könnte dann in einer Art Super-Score münden.

Kunden machen sich "wirklich nackig"

Datenschützer sind alarmiert. Peter Schaar, früherer Bundesdatenschutzbeauftragter, vermutet, dass niemand die "tatsächliche Reichweite dieser Einwilligung überschauen" kann. Dabei mache man sich mit der Erlaubnis "wirklich nackig", sagte Schaar der "Süddeutschen Zeitung". Er fürchtet, dass so umfassende Persönlichkeitsprofile entstehen - zum Nachteil der Verbraucher. "Wenn jemand sich an irgendwelchen Online-Wetten beteiligt, dann wird sich das sicherlich nicht positiv auf die Bonität auswirken." Der Kunde bekäme womöglich nicht nur keinen Handyvertrag, sondern "auch keinen Versicherungsvertrag oder keinen Kredit", fürchtet Schaar.

Die Schufa betont, in der derzeitigen Testphase keine Daten zu speichern - wie "Check Now" später aussehen werde, darüber könne sie aktuell aber noch keine Auskunft geben. Bisher kennt die Auskunftei nach eigenen Angaben weder das Einkommen noch das Vermögen der Menschen. Mit den neuen Plänen würde sich das ändern. Die zuständigen Landesdatenschützer in Bayern prüfen den Fall derzeit.

Quelle: ntv.de, hny