Panorama

Nach Tod von Elfjähriger Schulleiterin dementiert Mobbing-Vorwürfe

117736561.jpg

Stofftiere, Blumen und Kerzen liegen in Erinnerung an die Schülerin vor dem Eingang der Hausotter Grundschule in Reinickendorf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Tod einer jungen Schülerin diskutiert Berlin seit Wochen über Mobbing an Schulen. Nun meldet sich auch die Schulleiterin zu Wort und sagt, dass der Tod des Mädchens andere Ursachen habe.

Der Tod einer elfjährigen Schülerin Ende Januar in Berlin geht nach Angaben der Schulleiterin nicht auf Mobbing zurück. "Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer", sagte Daniela Walter bei einer Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Sie habe nach dem Tod des Kindes in einem Krankenhaus von Anfang an mit den Eltern in engem Kontakt gestanden, berichtete Walter. Dies sei der erste Kontakt mit der Familie während ihrer Tätigkeit als Schulleiterin überhaupt gewesen. Bis dahin habe es - etwa in Hinsicht auf mögliche Probleme des Kindes in der Schule - "keinen Gesprächsbedarf in irgendeiner Art" gegeben.

Walter betonte, die Familie des Mädchens habe bis heute nichts zur Todesursache gesagt. "Und das habe ich zu respektieren." Sie bat darum, den Tod der Elfjährigen von der seither geführten Debatte um Mobbing an Schulen zu trennen: "Dass man nicht jetzt diesen Todesfall als Aufsprung nimmt, und irgendwas daraus macht. Das hat die Familie nicht verdient." Der Tod des Mädchens, das die Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf besuchte, war Anfang Februar bekanntgeworden. Er hatte viele Menschen erschüttert und eine breite Debatte ausgelöst. Medien gingen der Frage nach, ob Mobbing an der Schule zu einem Suizidversuch der Grundschülerin geführt haben könnte. Elternvertreter berichteten in Medien von einem Mobbing-Problem an der Schule.

Todesursache bislang unbekannt

Eine offizielle Bestätigung der Todesursache sowie gesicherte Informationen zu möglichen Hintergründen gibt es bis heute nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die wie in solchen Fällen üblich ein Todesermittlungsverfahren führt, ergab die Obduktion keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte.

Aus Sicht von Schulleiterin Walter steht fest: "Dass wir in einem schwierigen Umfeld sind, dass wir mit Sicherheit tagtäglich auch damit zu tun haben, dass es Konflikte gibt." Sie könne auch bestätigen, dass es während ihrer Zeit als Schulleiterin "vier, fünf Mobbing-Fälle" gegeben habe. "Aber wichtig ist auch hier, dass die Systeme greifen", so Walter. "Wir haben etwa alle sechs Wochen die Polizei präventiv im Haus." Alle sechs Wochen säßen Jugendamt, Schulpsychologie, Sonderpädagogen, Schulleitung und Pädagogen an einem Tisch, "um gerade auch diese Schüler aufzufangen, wo es einfach problematisch ist".

Schüler als Anti-Mobbing-Beauftragte

Auch die Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus war eine Reaktion auf die Vorgänge. Mehrere Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen machten dabei deutlich, dass Mobbing an Schulen oft vorkommt. Die Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Eileen Hager, sagte: "Mobbing ist an den Schulen ein tagtägliches Phänomen." Die Hemmschwelle sei unter anderem aufgrund der sozialen Medien gesunken. Vielfach werde das Problem nicht offen angesprochen.

"Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema", versicherte SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse man konsequent entgegengetreten. Der Berliner Senat habe dazu in der Vergangenheit auch einiges angeschoben. Als Beispiele nannte sie Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Am Mittwoch hatte Scheeres ein weiteres Maßnahmepaket angekündigt. Unter anderem will sie einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing-Beauftragten benennen. Geplant seien zudem verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und ein Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

Rat und Nothilfe

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

Mehr zum Thema