Panorama

"Dann machen sie es halt" Schwuler Schützenkönig setzt sich durch

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(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr stritten die Schützen um einen muslimischen König. Jetzt gibt es Ärger, weil ein schwuler König mit seinem Mann den Schützenthron bestiegen hat. Konnte er nicht eine weibliche Bekannte bitten? Der konservative Dachverband ist unglücklich.

Einmal Schützenkönig sein - davon hat Udo Figge schon lange geträumt. Immer wieder schoss er um den Ehrentitel, in diesem Jahr endlich mit Erfolg. Am Samstag nun wurde das neue Königspaar in das Amt eingeführt - ganz traditionell und doch unter ungewöhnlichen Vorzeichen.

Denn dass der mit einem Mann verheiratete Figge ebendiesen als Prinzgemahl gewählt hat, stößt beim christlich-konservativen Dachverband seiner Kompanie auf Unmut. "Es entspricht nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein besteht", sagt Rolf Nieborg, Sprecher des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS).

Wie mit gleichgeschlechtlichen Königspaaren umzugehen ist, wird dort ebenso heiß diskutiert wie die Rolle von muslimischen Mitgliedern. Dabei hatte der neue Bundesschützenmeister Emil Vogt vor einigen Wochen in einer Stellungnahme ausdrücklich betont, die sexuelle Orientierung sei unerheblich für die Frage, ob jemand Schütze sein dürfe oder nicht. Homosexuelle in den Bruderschaften hätten dieselben Mitgliedsrechte - "einschließlich der Möglichkeit, die Königswürde zu erringen".

"Dafür habe ich doch meinen Mann geheiratet"

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2014 brachte der Muslim Mithat Gedik die Regeln der Schützen ins Wanken.

(Foto: dpa)

Ein großes Aber folgt: Zum König gehöre die Königin. Dass der Düsseldorfer Schützenbruder nicht bereit sei, eine weibliche Bekannte an seine Seite zu bitten, missbillige der Verband, sagt Sprecher Nieborg. Sanktionen soll es aber nicht geben, hieß es. "Wenn sie es so machen, dann machen sie es halt", sagte Nieborg.

Die Vorstellung, für das Königsamt eine Alibi-Frau zu nehmen, löst beim frischgekrönten Schützenkönig Figge Kopfschütteln aus: "Ich habe meinen Mann geheiratet, um solche schönen Momente mit ihm teilen zu können", sagt er. Im Dachverband sei es Zeit für mehr Offenheit. "Man muss doch der Realität ins Auge blicken, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt. Eine schwule Partnerschaft ist eben einer davon."

Der SPD-Lokalpolitiker und Stadtratsmann Udo Figge und sein Mann Dirk Jehle leben ihre Liebe seit Jahrzehnten, sind seit 1992 ein Paar und seit 2002 verheiratet. In seinem Umfeld habe das nie zu Problemen geführt, auch nicht in der Schützenkompanie. "Letztlich muss jede Bruderschaft ihre eigenen Diskussionen führen und Entscheidungen fällen", räumt Verbandssprecher Nieborg ein.

Muslime ja, Ex-Christen nein

Einiges sei in Bewegung geraten nach der Debatte um einen muslimischen Schützenkönig im vergangenen Jahr. Mithat Gedik war bundesweit in die Schlagzeilen gekommen. Der in einem Dorf bei Werl nahe Dortmund lebende Muslim hatte beim dortigen Schützenfest den Vogel abgeschossen. Der Dachverband wollte den Ungetauften nicht als König zulassen, duldete ihn schließlich doch als Regent in Werl. Der Streit setzte eine Grundsatzdebatte in Gang, in der sich erster Reformwillen zeigt: Auf dem Tisch liegen Vorschläge für Satzungsänderungen, mit denen man sich Andersgläubigen und Wiederverheirateten öffnen will.

Hart bleiben will der Verband aber beim christlichen Fundament des Brauchtums: Wer aus der Kirche ausgetreten ist, soll weiterhin auch kein Schützenbruder sein können. Dem neuen Königspaar von Düsseldorf droht daher weiteres Ungemach: "Dem Verein katholische Kirche gehören wir beide schon seit Jahren nicht mehr an", sagt Figge - das habe bislang aber niemanden gestört.

Quelle: ntv.de, Florentine Dame, dpa