Panorama

Ehefrau widerruft Alibi Serienmörder entführte wohl Neunjährige

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Fourniret tötete nach eigenen Angaben zwischen 1987 und 2001 zehn Menschen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Seit 2008 sitzt Michel Fourniret als verurteilter Serienmörder in Frankreich in Haft. Nun bringt seine Ex-Frau und damalige Helferin Bewegung in einen anderen Fall: Die Entführung und der Tod der neunjährigen Estelle Mouzin könnte 16 Jahre nach ihrem Verschwinden aufgeklärt werden.

Mehr als 16 Jahre nach dem Verschwinden eines neun Jahre alten Mädchens ist der französische Serienmörder Michel Fourniret wegen "Entführung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge" angeklagt worden. Nach Angaben aus Pariser Justizkreisen erhob die für den Fall der verschwundenen Estelle Mouzin zuständige Untersuchungsrichterin Sabine Khéris nach einer knapp dreistündigen Vernehmung Fournirets Anklage gegen den 77-Jährigen. Wenige Tage zuvor hatte die Ex-Frau Fournirets, Monique Olivier, das Alibi ihres Mannes widerrufen.

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Fournirets Auto könnte in der Nähe des Entführungsortes gesehen worden sein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Unklar ist, ob der verurteilte Mörder seine Verwicklung in das Verschwinden des Mädchens gestand. Seine Anwälte wollten sich nicht äußern. Fourniret hatte immer versichert, mit dem Fall Estelle Mouzin nichts zu tun zu haben. Sie war am 9. Januar 2003 in Guermantes im Großraum Paris auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Ihre Leiche wurde nie gefunden, zahlreiche von den Ermittlern untersuchte Spuren führten ins Leere.

Fourniret hatte ausgesagt, er habe sich an dem Tag in seinem Haus im belgischen Sart-Custinne aufgehalten. Als Alibi verwies er auf einen Telefonanruf: Er habe von zu Hause aus bei seinem Sohn angerufen, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Der Sohn nahm den Hörer zwar nicht ab, der Anruf ließ sich aber nachweisen.

Fourniret belebt Spekulationen selbst wieder

Am Donnerstag vergangener Woche sagte Fournirets Ex-Frau vor der Richterin aus, sie selbst habe den Anruf auf Wunsch ihres Mannes getätigt. "Das heißt, dass Michel Fourniret am Tag des Verschwindens von Estelle Mouzin nicht in Sart-Custinne war. Er war woanders", sagte der Anwalt der Ex-Frau, Richard Delgenes.

Im Falle Estelle Mouzin hatte die Polizei erstmals 2006 gegen Fourniret ermittelt, nachdem ein Foto von ihr auf seinem Computer gefunden worden war. Zudem war ein weißer Lieferwagen am Ort der Entführung gesehen worden, der dem Wagen Fournirets ähnelte. Doch 2007 wurde Fourniret entlastet. Bei der Untersuchung von Tausenden Haaren aus dem Auto Fournirets wurden sechs Jahre später keine DNA-Spuren des Mädchens gefunden.

Spekulationen über seine Verwicklung wurden durch eine Anhörung Fournirets im Jahr 2018 wiederbelebt, in der es um zwei andere Mordfälle in den Jahren 1988 und 1990 ging. Damals sagte Fourniret vor der Richterin Kherís, das Verschwinden von Estelle Mouzin sei ein Thema, das untersucht werden müsse, und deutete an, er fühle sich "übel" in der Angelegenheit. Diese Äußerungen wurden vom Anwalt der Eltern von Estelle Mouzin als "indirektes Geständnis" gewertet.

Fourniret sitzt in Frankreich eine lebenslange Haftstrafe ab. Nach Gerichtsurteilen von 2018 und 2008 hat er mindestens acht Frauen und Mädchen vergewaltigt und ermordet. In Frankreich trägt er den Spitznamen "Menschenfresser aus den Ardennen". Seine Ex-Frau half ihm bei der "Jagd auf Jungfrauen" und wurde ebenfalls zu Lebenslänglich verurteilt.

Quelle: ntv.de, mra/AFP