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Forensiker suchen nach DNA-Spur Sind Bodenproben der Schlüssel zu Monika?

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Polizeibeamte rückten mit schweren Gerätschaften an - auch ein externer Bagger wurde angefordert.

(Foto: dpa)

Kann ein Vermisstenfall nach mehr als 40 Jahren aufgeklärt werden? Im Fall der 12-jährigen Monika Frischholz aus der Oberpfalz glaubt die Polizei fest daran. Ermittler untersuchen jetzt Bodenproben genauer und hoffen auf den entscheidenden Hinweis.

Zwei Tage lang haben die Ermittler des Polizeipräsidiums Oberpfalz ein Waldstück bei Waldkirch in der Oberpfalz umgegraben. Sie hofften, Hinweise zum Verschwinden von Monika Frischholz zu finden. Das Mädchen war zwölf Jahre alt, als es 1976 spurlos verschwand. Nun sind die Ausgrabungen vorerst beendet. "Aber die Ermittlungen gehen noch weiter", sagt Polizeisprecher Florian Beck n-tv.de. Eine erneute Grabung an anderer Stelle sei nicht ausgeschlossen.

Die Ausgrabungsstelle liegt etwa sechs Kilometer entfernt von Monikas Heimatort Flossenbürg. Zeugenaussagen hatten die Ermittler dazu veranlasst, die Grabungen an dieser Stelle zu beginnen. Sie hoben ein zwei Meter tiefes Loch aus, auf einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern. "Wir haben in der ausgehobenen Grube einen grünen VW Käfer gefunden, das Kennzeichen und das Typenschild des Wagens, sowie jede Menge Schutt und Müll. Deshalb kann man davon ausgehen, dass es sich um eine illegale Müll-Ablagestelle handelt", erklärt Beck. Das Fahrzeug sei in Nordbayern angemeldet worden, der Fahrer aber noch unbekannt. Noch gibt es keine Hinweise, die Monika Frischholz mit dem Auto in Verbindung bringen. Laut Deutscher Presseagentur haben die Ermittler auch Stoff-Fetzen und mehrere Gegenstände gefunden.

Gefundene Knochenteile werden forensisch untersucht

Knochenfragmente fanden die Beamten ebenfalls in der Grube. Bei größeren Knochen sei es leichter, festzustellen, ob es sich um menschliche Überreste handelte. "Hier sind es sehr kleine Teile. Eine erste Einschätzung des Rechtsmediziners ist aber, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um tierische Knochenteile handelt", so Beck. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass in der Nähe eines Waldes gegraben wurde.

Grundsätzlich ist es möglich, auch noch nach fast 43 Jahren Spuren zu finden, die zur Aufklärung eines Vermisstenfalls beitragen können. Forensiker werden in den nächsten Wochen die Bodenproben, die in dem Waldstück entnommen wurden, untersuchen. Auch Blutspuren oder Haare könnte man noch in der Erde finden. "Es ist schwieriger, nach über 40 Jahren Spuren zu finden. Ist ein Verbrechen gerade erst passiert, sind die Spuren natürlich noch frischer", erklärt Florian Beck. Nach vier Jahrzehnten seien auch einige Zeugen nicht mehr am Leben und man habe ihre Aussagen nur schriftlich festgehalten.

DNA-Profil lässt sich auch nach 40 Jahren erstellen

Der DNA-Experte Cornelius Courts vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein kennt ähnliche Fälle, in denen Blutspuren auch noch nach Jahrzehnten ausgewertet wurden. "Würde man getrocknetes Blut an einem Knochen oder Stein finden, könnte man daraus eventuell ein vollständiges DNA-Profil erstellen", erklärt Courts n-tv.de. "Es hängt aber auch von den Erdbegebenheiten ab, ob man ein DNA-Profil aus einer Blutspur ermitteln kann." Der Diplom-Biologe kennt Fälle, in denen auch noch nach Jahrzehnten ein DNA-Profil erstellt wurde. Auch aus einem Knochenfragment wäre das möglich.

Seit 1998 gibt es in Deutschland eine DNA-Analyse-Datei. Sie ist Teil des zentralen Informationssystems der Polizei. Sollte DNA gefunden werden, die einen Zusammenhang mit dem Vermissten-Fall Monika Frischholz herstellt, könnten so neue Schlüsse gezogen werden.

Erst vor zwei Monaten ist Monikas Bruder gestorben. Er war der letzte unmittelbare Angehörige. Nun gibt es kaum noch jemanden, der nach Jahren der Ungewissheit endlich die Wahrheit erfahren könnte. "Wir tun alles, um diesen Fall doch noch aufzuklären. Wir können noch nicht sagen, ob es gelingen wird", sagt Florian Beck.

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