Panorama

Studie über RollenbilderSind Porno-Fans die besseren Feministen?

08.10.2015, 11:54 Uhr
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Mit Sexfilmen gegen Sexismus? Männer, die Pornos schauen, betrachten Frauen als Sexobjekte. Einer neuen Studie zufolge ist das Quatsch. (Foto: picture alliance / dpa)

Männer, die Pornos schauen, degradieren Frauen zu Sexobjekten. Falsch, behaupten Forscher. Wer Pornos schaut, hat ein emanzipierteres Frauenbild. Die Studie überrascht - und hat so ihre Tücken.

Wer sich regelmäßig frivole Filmchen auf einschlägigen Websites wie Youporn oder Pornhub anschaut, hat von Frauen keine hohe Meinung. So lautet die landläufige Meinung. Noch weiter gehen radikale Verfechter des Feminismus. Sie machen seit den 1970er-Jahren auf Sexismus und Gewalt in der Pornografie aufmerksam.

Frauen seien in Sexfilmen fast immer als "anonyme, stöhnende Spielsachen" dargestellt, "Puppen für Erwachsene, entmenschlichte Dinge, die gebraucht, missbraucht und weggeworfen werden können", mahnte etwa die US-amerikanische Feministin Susan Brownmiller. Das habe schlimme Folgen für die Gesellschaft. Andrea Dworkin setzte sich in den 80er-Jahren für ein generelles Pornografie-Verbot ein, genauso wie Deutschlands Ikone der Frauenbewegung Alice Schwarzer mit ihrer PorNo-Kampagne.

Nun scheinen ein paar Forscher der Western University im kanadischen Ontario den Radikalfeministinnen eine Lektion zu erteilen. Sie sind nämlich der Meinung: Männer, die Pornos schauen, sind die besseren Feministen.

"Ich sehe mich als Feministen"

Für eine Studie wertete das Team um Taylor Kohut die Daten von mehr als 10.000 Männern und 14.000 Frauen aus, die zuvor im Rahmen des sogenannten General Social Surveys (GSS) gesammelt wurden. Dabei handelt es sich um eine Umfrage der US-Regierung, die seit 1975 durchgeführt wird. Abgefragt werden persönliche Lebensweisen, aber auch Meinungen zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Feminismus, Frauen und Karriere, moderne Familienmodelle.

Die Studien-Teilnehmer müssen dabei bestimmten Aussagen zustimmen oder diese ablehnen. "Ich sehe mich als Feministen", heißt es dann beispielsweise oder "Frauen sollten sich um den Haushalt kümmern und die Politik den Männern überlassen".

Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die angegeben hatten, im letzten Jahr Pornos geschaut zu haben, eine deutlich bessere Meinung von Frauen hatten: Nicht nur waren sie für die Gleichstellung der Geschlechter und hatten eine positive Meinung zu Frauen in Machtpositionen, sondern bezeichneten sich auch selbst häufig als Feministen, wie Kohut im "Journal of Sex Research" berichtet.

Studie mit Tücken

Wer jetzt hofft, seine Leidenschaft für Pornos in Zukunft damit zu erklären, dass er sich mit seinem Schmuddelfilm-Konsum auch für den Feminismus einsetze, der bewegt sich auf dünnem Eis. Denn trotz des, wie sie schreiben, eindeutigen Ergebnisses geben die Forscher zu bedenken: Es könne einen Unterschied zwischen Pornokonsumenten geben, die offen zu ihrer Leidenschaft stehen, und solchen, die sie verheimlichen.

Jene US-Amerikaner, die in der GSS-Umfrage angaben, Pornos zu schauen, waren meist jung, nicht besonders religiös und Themen der sexuellen Vielfalt gegenüber ohnehin recht offen eingestellt. Wer konservative Werte schätzt, verheiratet und sehr religiös ist, dürfte auf die Frage nach dem eigenen Pornokonsum nicht immer unbedingt wahrheitsgemäß antworten, zumal die Befragungen in den allermeisten Fällen Face-to-Face-Interviews waren.

Nichtsdestotrotz betonen die Wissenschaftler, dass die von Porno-Verächtern formulierten Vorwürfe haltlos sind: Der Studie zufolge passen Pornos und Feminismus gut zusammen, ganz ohne Erniedrigung und Demütigung. Der Konsum frivoler Filmchen schüre keinen Hass gegen Frauen.

Quelle: ntv.de, dsi

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