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Listerien in Wurst Skandal war Ministerium wohl lange bekannt

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Auch bei Ikea sollen wohl Wilke-Produkte verwendet worden sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sowohl das hessische Umweltministerium als auch das Regierungspräsidium Kassel haben vom Bakterienfall in einer Fabrik des Wurstwarenherstellers Wilke scheinbar schon seit Mitte September gewusst. Das geht aus einem Schreiben des Ministeriums hervor.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft dem hessischen Umweltministerium angesichts des Skandals um zwei Listerien-Todesfälle durch Produkte des Wurstherstellers Wilke vor, bereits Mitte September von der Bakterienbelastung in dem Werk gewusst zu haben. Die Behörden hätten schon viel früher die Öffentlichkeit warnen und einen Rückruf anordnen lassen müssen, teilte Foodwatch mit.

Laut einer von Foodwatch veröffentlichten E-Mail hätten dem Umweltministerium am 12. August erste Hinweise und am 16. September belastbare Beweise über die Listerienbelastung vorgelegen. Am 18. September habe das Ministerium dann das Regierungspräsidium in Kassel informiert. Spätestens an diesem Tag hätte die Öffentlichkeit gewarnt werden müssen, kritisierten die Verbraucherschützer. Ein Rückruf sei aber erst rund zwei Wochen später erfolgt. Warum die Behörden erst dann reagierten, habe das Ministerium gegenüber Foodwatch offen gelassen.

"Statt schnell zu handeln und für einen öffentlichen Rückruf zu sorgen, hat die hessische Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen offenbar zugeschaut, wie potenziell mit Listerien belastete Produkte an Supermärkte, Fleischtheken und Krankenhäuser geliefert wurden", kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch. Sollte nach dem 18. September noch jemand an den Produkten erkrankt sein, trage Hinz eine Mitverantwortung dafür.

Foodwatch stellt Antrag auf Überwachung

Auf eine Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" hatte eine Sprecherin des hessischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums geantwortet, das gewählte Prozedere sei ein "ganz normaler Ablauf". Unternehmen hätten die Chance, Missstände abzustellen und seien dadurch vor sofortigen Schließungen geschützt. Man habe erst nach einer Reinigung und einem neuerlichen Listerienfund die Produktion angehalten und Wilke zum Rückruf der Ware aufgefordert.

Von dem Verdacht einer möglichen Belastung mit Listerien im Wilke-Werk erfuhr das Umweltministerium laut Foodwatch schon am 12. August. Am 16. September sei dieser Verdacht dann bestätigt worden. Foodwatch hatte am Dienstagabend einen Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den für die Überwachung vor Ort zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel eingereicht. Das Gericht bestätigte den Eingang des Antrags am Mittwoch.

Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch gegen den Geschäftsführer des inzwischen insolventen Wurstbetriebs Wilke. Die Ermittlungen wurden aufgrund einer Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft Kassel mitteilte. Schwerpunktmäßig solle die Frage geklärt werden, ob der Todeseintritt auf den Verzehr belasteter Wilke-Produkte zurückzuführen ist. Bereits vergangene Woche seien die Firma und der Wohnsitz des Beschuldigten durchsucht worden.

Quelle: n-tv.de, lwe/AFP

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