Panorama

Albtraum im tropischen Paradies So wütet "Irma" - Insel für Insel

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Ein Bild aus Haiti.

(Foto: imago/E-PRESS PHOTO.com)

Wie ein "Rasenmäher vom Himmel" sei der Hurrikan gewesen, als er durch die Karibik zog. Ein wenig schwächer setzt "Irma" seine zerstörerische Reise fort. Die größte Befürchtung im Moment: Die Millionenstadt Miami könnte voll getroffen werden.

Hurrikan "Irma" ist über die Karibik getost und hat dabei bislang mindestens 17 Menschen das Leben gekostet. Wegen der vielerorts unklaren Lage und der katastrophalen Zerstörung ist noch nicht klar, wie viele Tote und Verletzte es insgesamt gibt. "Es ist, als wäre jemand mit einem Rasenmäher vom Himmel über die Insel gegangen", schilderte eine Augenzeugin auf dem Inselteil Sint-Maarten dem niederländischen Rundfunk NOS.

Die Schneise der Verwüstung

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Sint-Maarten und Saint-Martin: Die zwischen den Niederlanden und Frankreich geteilte Insel wurde von "Irma" schwer getroffen. Der französische Teil sei "zu 95 Prozent zerstört", zitierte die britische Zeitung "Guardian" einen örtlichen Beamten. Es gebe keinen Strom, ein Großteil der Straßen sei unpassierbar. Der französische Innenminister Gérard Collomb bezifferte die Zahl der Toten dort und in den anderen französischen Überseegebieten auf acht. 23 Menschen seien verletzt worden. Bereits zuvor war je ein Mensch auf Anguilla (Großbritannien) und Barbuda gestorben. Außerdem gab es Berichte über Plünderungen. Der staatseigene französische Rückversicherer CCR rechnet damit, dass die Sturmschäden auf den französischen Karibikinseln deutlich über 200 Millionen Euro liegen. Das sagte CCR-Chef Bertrand Labilloy. Es sei allerdings noch viel zu früh, um präzise Zahlen zu geben.

Puerto Rico: Auf der zu den USA gehörenden Insel Puerto Rico und den amerikanischen Jungferninseln starben insgesamt sieben Menschen, wie der "Guardian" berichtete. Bis zu neun Meter hohe Wellen schlugen über die Insel. Mehr als eine Million Menschen seien ohne Strom. Es wird erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da hinter "Irma" bereits der nächste Hurrikan "José" heranzieht.

Dominikanische Republik und Haiti: An der Insel Hispaniola, die zur Häfte aus Haiti und zur anderen aus der Dominikanischen Republik besteht, zog "Irma" nördlich vorbei. In Haiti verursachte der Hurrikan weniger Schäden, als zunächst befürchtet worden war. "Hätte "Irma" einen südlicheren Weg eingeschlagen, wäre es zur Katastrophe gekommen", sagte Martin van de Locht, Leiter der Internationalen Programme von World Vision. Zwei Menschen wurden in der Hafenstadt Cap-Haïtien verletzt, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Außerdem zerstörte der Sturm eine Brücke zum Nachbarland Dominikanische Republik. Eine komplette Entwarnung für die Region wollte Caritas international aber noch längst nicht geben. Vor allem der tiefer gelegene Norden Haitis könne noch von Überschwemmungen bedroht sein. Solche Überschwemmungen können laut dem Arbeiter Samariterbund langfristige Folgen für das Land haben. Meerwasser könne Brunnen versalzen, Trümmer auf Feldern der Bauern hinterlassen und Erdrutsche verursachen. Die Menschen auf Haiti, einem der ärmsten Länder der Region, leiden noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und des Hurrikans "Matthew" 2016.

Bahamas: Über die südlichen Ausläufer der Inselgruppe zog der Hurrikan am frühen Freitagmorgen (Ortszeit), wie das nationale US-Hurrikan-Warnzentrum in Miami mitteilte. Dabei schwächte er sich von einem Hurrikan der höchsten Warnstufe fünf auf Stufe vier ab. "Irma" bleibe aber ein "extrem gefährlicher Stufe-vier-Hurrikan", schrieben die Meteorologen. Der Premierminister der Bahamas, Hubert Minnis, sagte dem "Guardian", die Regierung habe sechs Inseln im Süden der Inselgruppe komplett geräumt. Es sei die größte Evakuierung in der Geschichte der Bahamas gewesen.

Kuba: Bis Samstag (Ortszeit) soll das Zentrum von "Irma" nun über das Meer an der Nordküste Kubas entlangwandern. An der bei Touristen beliebten Küste werden Gäste in Sicherheit gebracht, Anwohner des Gebiets wurden aufgerufen, ins Innere der Insel zu ziehen. Erste Auswirkungen sind bereits spürbar. Fünf Meter hohe Welle treffen auf die nordöstlichsten Küstenabschnitte des Landes.

US-Festland: Am Wochenende soll der Sturm auf den US-Bundesstaat Florida treffen. Nach letzten Vorhersagen könnte die Millionenmetropole Miami voll von "Irma" getroffen werden. Möglich ist aber auch, dass der Hurrikan noch nördlich abdreht, Florida nicht voll trifft und die US-Ostküste hinauf nach South Carolina oder Georgia zieht.

Das Zentrum werde am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Inselgruppe der Florida Keys und die Südküste des US-Bundesstaats erreichen, schrieb das Hurrikanzentrum. Die ersten Ausläufer könnten den US-Staat aber bereits am Samstag gegen 8.00 Uhr (14.00 Uhr MESZ) erreichen. Für die gesamte Südküste Floridas, vom Atlantik bis in den Golf von Mexiko, gilt eine Warnung vor bis zu drei Meter hohen Wellen. Insgesamt 125.000 Menschen an der Atlantikküste müssen ihre Häuser verlassen. Auch Donald Trumps sogenanntes "Winter White House" Mar-a-Lago muss Berichten zufolge geräumt werden. Der Golfclub in der Stadt Palm Beach liegt in einer Evakuierungszone der US-Behörden, wie die Zeitung "Sun Sentinel" berichtete.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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