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Hochsaison in den Verteilzentren: In den Wochen vor Weihnachten schwillt die Zahl der Paketlieferungen regelmäßig kräftig an.
Hochsaison in den Verteilzentren: In den Wochen vor Weihnachten schwillt die Zahl der Paketlieferungen regelmäßig kräftig an.(Foto: ZB)
Donnerstag, 07. Dezember 2017

Polizei prüft 113 Hinweise : Soko "Quer" sucht DHL-Erpresser

Der Schreck sitzt den Verantwortlichen noch in den Knochen: Die Paketbombe von Potsdam enthielt allem Anschein nach einen zündfähigen Sprengsatz. Eine eigens eingerichtete Sonderkommission sucht unter Hochdruck nach dem Täter.

Nach bislang 113 Hinweisen zu der Paketbombe und dem DHL-Erpresser laufen die Ermittlungen der Brandenburger Polizei weiter in alle Richtungen. "Es werden mögliche Zeugen befragt und Kontakte zu Hinweisgebern aufgenommen", sagte eine Polizeisprecherin. Zudem wurden bislang zwei Dutzend verdächtige Päckchen gemeldet, die sich jedoch als harmlos herausstellten.

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Die Sonderkommissionen "Quer" arbeite mit Hochdruck, sagte sie. Experten untersuchten weiter die Paketbombe, die bei dem Einsatz in der vergangenen Woche durch die Bombenentschärfer zerstört wurde. Weitere Spuren würden gesichert, hieß es. Auch Beweisstücke der bereits im November an einen Online-Versandhändler in Frankfurt (Oder) geschickten Paketbombe werden noch einmal überprüft.

"Gefahr für Leib und Leben"

Die in Potsdam entdeckte Paketbombe war vergangenen Freitag einer Apotheke zugestellt worden. Jüngsten Erkenntnissen zufolge war der Sprengsatz voll zündfähig. "Es war eine Sprengvorrichtung, die bei einer Umsetzung erhebliche Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte", erklärte Brandenburgs Innenstaatssekretärin Katrin Lange im Innenausschuss des Landtags.

Ihren Angaben zufolge bestand der Sprengsatz von Potsdam aus einer mit Nägeln gefüllten Metallbüchse und einem sogenannten Polenböller, also einem in Deutschland nicht zugelassenen Feuerwerkskörper auf Schwarzpulverbasis. Es seien mehrere Batterien angeschlossen gewesen, sagte Lange. Daher werde wegen räuberischer Erpressung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion ermittelt.

Nach Angaben von Lange war eine bereits am 6. November bei einem Online-Händler in Frankfurt (Oder) entdeckte Paketbombe vom Händler sofort als verdächtig eingestuft worden. Daraufhin sei die Sendung von Spezialisten der Polizei untersucht worden. "Auch dabei handelte es sich um eine unbekannte Spreng- und Brandvorrichtung", sagte Lange. "Wir gehen davon aus, dass auch diese Sendung von dem Erpresser aufgegeben wurde."

Der Paketdienstleister DHL sieht sich in diesem Zusammenhang mit einer hohen Geldforderung konfrontiert. Der oder die Erpresser verlangen Medienberichten zufolge eine Millionensumme, die das Unternehmen in der Digitalwährung Bitcoin begleichen soll. Das Erpresser-Schreiben hätten der oder die Täter als QR-Code im Inneren des Paket hinterlegt, berichtete die "Bild"-Zeitung. Der in dem QR-Code verschlüsselte Text sei kurz und knapp gehalten, in deutscher Sprache verfasst und direkt an DHL gerichtet.

Mehr Aufmerksamkeit, mehr Fehlalarme

Der Täter drohe darin mit weiteren Bomben, heißt es. Tatsächlich mehren sich im Raum Berlin-Brandenburg derzeit die Hinweise auf verdächtige Pakete. Es gebe einen merklichen Anstieg der Fehlalarme, erklärte ein Polizeisprecher. So hätten unter anderem unerwartet früh zugestellte Weihnachtsgeschenke oder unerwartete Werbesendungen in der vergangenen Woche mehrfach Sprengstoffexperten auf den Plan gerufen.

Die Polizei begrüßt die erhöhte Alarmbereitschaft in der Bevölkerung trotz der Fehlalarme ausdrücklich. Ermittler gehen davon aus, dass sie den Täter schneller fassen können, sollten weitere Beweismittel aus der Hand der Erpresser sichergestellt werden können. Doch auch mit Blick auf die Sicherheit von DHL-Mitarbeitern, DHL-Kunden und Paket-Empfängern raten die Behörden weiter zur Vorsicht: Im Zweifelsfall sollten verdächtige Pakete auf keinen Fall geöffnet werden.

Was macht ein Paket verdächtig? Die Polizei Brandenburg informiert Paketempfänger.
Was macht ein Paket verdächtig? Die Polizei Brandenburg informiert Paketempfänger.(Foto: © Polizei Brandenburg)

Quelle: n-tv.de

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