Panorama

Herdenimmunität erst in Monaten Spahn hofft auf Massenimpfung, Wieler dämpft Euphorie

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RKI-Chef Wieler und Gesundheitsminister Spahn beantworteten in Online-Diskussion Fragen der Bundesbürger zum Thema Corona-Impfung.

(Foto: imago images/photothek)

Die bevorstehende Zulassung eines Impfstoffs soll den Weg zurück zur Normalität ebnen. Gesundheitsminister Spahn blickt bereits auf mehrere Millionen geimpfte Bundesbürger im Frühjahr. RKI-Chef Wieler verpasst dem Prozess zur Herdenimmunität einen weniger euphorischen Zeitrahmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn glaubt an Massenimpfungen gegen das Coronavirus bis Sommer nächsten Jahres. Millionen Bundesbürger könnten schon im Frühjahr durch Impfungen immun sein. Bis Ende März seien "für Deutschland 11 Millionen Dosen allein von Biontech realistisch", sagte Spahn dem Nachrichtenportal t-online. Wenn möglichst viele das Impfangebot wahrnehmen, könne Deutschland im Herbst mit dem Gröbsten durch sein. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, tritt dagegen etwas auf die Euphoriebremse. "40 Millionen Menschen zu impfen, wird Monate dauern", erklärte er auf einer Informationsveranstaltung zum Thema Corona-Impfung.

Dass eine Herdenimmunität eintreten wird, davon ist Wieler überzeugt, "aber es kommt darauf an, ob die Menschen mitmachen". Herdenimmunität besteht, wenn zwei Drittel der Bevölkerung Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufweisen. Dann sind selbst diejenigen geschützt, die selbst nicht immun sind. Wieler betonte, dass durch die aktuell hohen Infektionszahlen ein gewisser Teil der Menschen bereits immun sein könnte.

Die Bundesregierung hat bei der Impfstoff-Entwicklung fünf Kandidaten im Blick, die mit einer "gewissen Wahrscheinlichkeit" bis zur Jahresmitte zugelassen würden. Dazu zählte Spahn neben den Entwicklungen von Biontech/Pfizer und Moderna auch die Produkte von Curevac, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson.

Mit dem Impfstoff entstünden laut Wieler allerdings auch große logistische Herausforderungen. Experten der Logistikbranche warnen nach einem "Spiegel"-Bericht bereits vor den Plänen von Bund und Ländern für die Verteilung der Corona-Impfstoffe. "Der Bund ist gerade dabei, die gemeinsame Herausforderung in den föderalen Sumpf zu kippen", zitierte das Blatt einen anonymen Kritiker. Moniert werden demnach geplante Zwischenlager für die Arznei. Unternehmen wie DHL könnte dagegen bestehende Strukturen nutzen und würden den Impfstoff direkt in die Impfzentren ausliefern.

Quelle: ntv.de, mba/rts/dpa

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