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"Das ist bitter, aber so ist es" Spahn kann sich Karneval nicht vorstellen

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(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen wieder an. Gesundheitsminister Spahn denkt deshalb darüber nach, die kommende Karnevalssaison nicht stattfinden zu lassen. Er könne sich mitten in der Pandemie keinen Karneval vorstellen, soll der CDU-Politiker in einer Telefonkonferenz gesagt haben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich laut einem Medienbericht dafür ausgesprochen, den Karneval in der kommenden Saison bundesweit ausfallen zu lassen. Wie die "Rheinische Post" berichtet, äußerte der CDU-Politiker den Vorschlag in einer Telefonkonferenz des Gesundheitsausschusses des Bundestages. Demnach sagte Spahn in der Schalte: "Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es."

Zuletzt ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder in die Höhe geschnellt. Bis Montagabend stieg die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen auf 224.484. Das sind 1046 Infektionsfälle mehr als am Vorabend. Allerdings waren darin auch Nachmeldungen vom Wochenende enthalten.

Auf den Anstieg der Fallzahlen hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits Ende Juli alarmiert reagiert. Die Seuchenschutz-Experten riefen eindringlich zur Einhaltung grundlegender Schutzregeln auf. Menschen und Unternehmen seien "nachlässig" geworden, stellte RKI-Präsident Lothar Wieler fest. Es bestehe die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung.

Karnevalisten: Absage wäre "ein wirtschaftliches Desaster"

Das Festkomitee Kölner Karneval sprach sich gegen eine Absage des Karnevals schon zum jetzigen Zeitpunkt aus. "Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll", sagte Michael Kramp, Sprecher des Festkomitees, des Dachverbands der meisten Kölner Karnevalsvereine. "Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend", ergänzte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn.

Eine Absage wäre für die Hochburgen "ein wirtschaftliches Desaster", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, der "Rheinischen Post". Er forderte Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem Runden Tisch einzuladen. "Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten", so Fess, "aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben."

Die Kölner Karnevalisten wollten nicht um jeden Preis feiern, betonte Kramp. Sollte die Zahl der Infizierungen in nächster Zeit weiter zunehmen und die Corona-Schutzverordnung wieder verschärft werden, dann seien Karnevalsfeiern natürlich nicht möglich. Das könne man aber derzeit noch nicht absehen, sagte Kramp. Die vergangene Karnevalssaison verlief fast zeitgleich mit der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. Im ersten Corona-Hotspot Heinsberg hatten sich viele Menschen im Zusammenhang mit einer Karnevalsparty infiziert.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa