Panorama

Hohe Inzidenz bei Jüngeren Spanien tanzt in die Delta-Welle

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Bars voll, Hotels voll, Straßen voll: Ganz Europa trifft sich gerade in Barcelona.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die reine Inzidenz ist bei hoher Impfquote kein zwingendes Alarmsignal. Doch die Ansteckungen in Spanien steigen so rasant, dass der Chef-Epidemiologe sich gruselt. Und überall im Land feiern die Menschen ohne Masken - als gäbe es keine Delta-Variante.

In Spanien ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Tagen in die Höhe geschnellt - vor allem bei jungen Menschen. "Die heutigen Zahlen sind überhaupt nicht gut", sagte der Chef-Epidemiologe des Gesundheitsministeriums, Fernando Simon. Die Zahlen in den unterschiedlichen Altersgruppen variierten stark, "unter den Jüngsten haben wir eine Inzidenz von fast 600", sagte Simon. In Spanien wird die Inzidenz auf die vergangenen 14 Tage gerechnet, ist also mit dem deutschen Wert nur schwer zu vergleichen. Dennoch ist der Wert hoch: Die landesweite 14-Tage-Inzidenz über alle Altersgruppen hinweg lag demnach bei 204. Am Freitag hatte sie 152,8 betragen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden am Montag für das zurückliegende Wochenende insgesamt 32.607 Neuinfektionen und 23 Todesfälle registriert. Das ist bei den neuen Fällen der höchste Wert seit dem 8. Februar. Simon bezeichnete die Lage als "kompliziert", hob aber hervor, dass sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle nicht erhöht habe. Auch die Impfkampagne hat in Spanien an Tempo zugelegt. 40,3 Prozent der rund 47 Millionen Menschen sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft, 56 Prozent haben die erste Impfdosis erhalten.

Mehrere Regionen wie Andalusien und Katalonien erwägen, wegen der steigenden Infektionszahlen die Maßnahmen in dieser Woche wieder zu verschärfen. Erst am 26. Juni war die Maskenpflicht im Freien aufgehoben worden. Vergangene Woche hatten Schüler, die auf Mallorca gefeiert hatten, das Virus auch in andere spanische Landesteile eingeschleppt. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums wurden durch die Schülerreisen landesweit mindestens 1824 Menschen im Zuge dieses Corona-Ausbruchs infiziert und 5978 unter Quarantäne gestellt.

Bars voll, Hotels voll: Ganz Europa feiert in Barcelona

Besonders im spanischen Corona-Hotspot Katalonien kann die Ansteckungsgefahr die Sommerpartys von Einheimischen und Touristen nicht stoppen. Die Strände, aber auch Hotels, Kneipen und Läden der katalanischen Hauptstadt Barcelona und anderer Küstengemeinden der Region waren am Wochenende und auch am Montag zum Teil total überfüllt, wie Regionalmedien berichteten. Unter den Besuchern gebe es "viele Touristen aus anderen Ländern Europas, die einräumen, sie seien vom pulsierenden Nachtleben angezogen" worden, schrieb die Zeitung "El Periódico". "Strände, Plätze, Bars und Diskotheken sind gefüllt mit Musik und Alkohol, aber Masken gibt es nur wenige", stellte das Blatt fest.

Der TV-Sender RTVE berichtete derweil, nicht nur in Katalonien, sondern überall im Lande herrsche nach Beginn der Ferienzeit am 1. Juli ausgelassene Partystimmung. In Urlaubsregionen wie Andalusien und Valencia seien die Hotels zu 80 bis 95 Prozent belegt. Bahnhöfe und Flughäfen seien seit Tagen total überfüllt, obwohl Reisende dort oft von niemandem begleitet werden dürfen. Die Verkehrsbehörde DGT rechnet mit mehr als 90 Millionen Straßenfahrten im Juli und August - so viele wie im Sommer 2019 vor Ausbruch der Pandemie. Auf Mallorca, wo die Corona-Zahlen wie überall in Spanien schon seit Tagen steigen, treffen unterdessen in der von Briten bevorzugten Urlauber-Hochburg Magaluf westlich von Palma immer mehr Besucher ein.

Die Regierung der Balearen beschloss daher, dass dort jene strengeren Corona-Regeln eingeführt werden sollen, die bisher nur an der bei Deutschen beliebten Party-Meile "Ballermann" gelten. Mit insgesamt fast 81.000 Corona-Toten und mehr als 3,8 Millionen Infektionsfällen ist Spanien eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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