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"Aus der Asche wiedergeboren" Spendenaufrufe für Notre-Dame starten

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Die Steinfassade von Notre-Dame mit ihren Chimären blieb vom Feuer verschont - doch andere Teile der Kathedrale wurden zerstört.

(Foto: REUTERS)

Nach dem verheerenden Brand in Notre-Dame starten erste Spendenaktionen für den Wiederaufbau. Französische Milliardäre sagen große Summen zu. Auch Sachsens Ministerpräsident ruft zu Spenden auf - mit Verweis auf die Frauenkirche in Dresden.

Am Morgen nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame stehen bereits 360 Millionen Euro für ihren Wiederaufbau bereit. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Stadt werde sich mit 50 Millionen Euro am Wiederaufbau beteiligen. Die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Die Familien hinter zwei Luxusgüterkonzernen sagten zusammen 300 Millionen Euro zu. Zudem startete die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine bereits eine Spendensammlung.

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Die Präsidentin des Regionalrats von Ile-de-France, Valérie Pécresse, sagte dem Sender Radio Classique, die Soforthilfe solle das Erzbistum bei den ersten Arbeiten unterstützen. Der Wiederaufbau werde die besten Architekten und Handwerker "Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt" auf den Plan rufen, sagte Pécresse.

Bürgermeisterin Hidalgo brachte zudem eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau ins Gespräch, um "Mäzene aus der ganzen Welt" zusammenzubringen. Sie könne gleichzeitig als Treffpunkt von Experten dienen, sagte Hidalgo dem Radionetzwerk France Inter.

Die "nationale Sammelaktion" der Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine war bereits in der Nacht auf der Internetseite der Stiftung zugänglich. "Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf", schrieb die Stiftung auf ihrem Twitter-Account.

Milliardäre sagen Spenden zu

Neben offiziellen Geldern stehen auch bereits zwei große Privatspenden zur Verfügung: Der größte und der zweitgrößte Luxusgüterkonzern Frankreichs, LVMH und Kering, verpflichteten sich zu Millionenspenden im dreistelligen Bereich.

Die Milliardärsfamilie Pinault will nach eigenen Angaben 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau der von Flammen verwüsteten Kathedrale zur Verfügung stellen. Das gab der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga), François-Henri Pinault, in der Nacht zum Dienstag bekannt. "Diese Tragödie trifft alle Franzosen", erklärte die Familie. In solch einer Situation wolle jeder mithelfen, "schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen".

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Am Dienstagmorgen zog dann LVMH (Moët Hennessy - Louis Vuitton) nach: Die Unternehmensgruppe versprach eine Spende von 200 Millionen Euro für den Wiederaufbaufonds. In einer Erklärung hieß es, LVMH und die Besitzerfamilie Arnault wollten nach "dieser nationalen Tragödie" ihre Solidarität zeigen. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs, seines kulturellen Erbes und seiner Einigkeit.

In Notre-Dame war am Montagabend ein Großbrand ausgebrochen, der schwere Verwüstungen anrichtete. Die Flammen brachten den Spitzturm zum Einsturz und zerstörten weite Teile des Dachstuhls. Das Feuer in dem berühmten Monument sorgte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus für Bestürzung. Präsident Emmanuel Macron versprach bereits einen Wiederaufbau der Kathedrale und kündigte eine nationale Spendenaktion an.

Kretschmer erinnert an Frauenkirche

In Deutschland wünschte sich etwa Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer für den Wiederaufbau eine europaweite Spendenbereitschaft. "Ich wünsche mir die gleiche Solidarität und Unterstützung, die wir für die Frauenkirche hier in Dresden bekommen haben, jetzt auch für Notre-Dame", sagte der CDU-Politiker im MDR. Jeder könne seinen Beitrag leisten, damit die berühmte Kirche wieder aufgebaut werde.

Notre-Dame gehöre "zu uns allen in Europa", so Kretschmer. Die ebenfalls weltbekannte Dresdner Frauenkirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Ende der DDR von einer Stiftung wiederaufgebaut worden, die aus der Initiative einer privaten Fördergesellschaft hervorging. Zahlreiche Fördervereine und Spender im In- und Ausland unterstützten das elfjährige Restaurierungsprojekt.

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Auch der CDU-Politiker Friedrich Merz schlug vor, in Deutschland Geld für Notre-Dame zu sammeln. "Wir sollten eine Bürgerinitiative ins Leben rufen, die im ganzen Land Spenden sammelt für den Wiederaufbau dieses überragenden europäischen Kulturguts", schrieb er auf Twitter. "Unsere Freundschaft mit Frankreich wird sich damit in ganz besonderer Weise zum Ausdruck bringen und vertiefen."

EU-Ratspräsident Donald Tusk rief alle anderen EU-Mitgliedstaaten zur Hilfe beim Wiederaufbau auf. "Ich weiß, dass Frankreich das alleine machen könnte, aber hier geht es um mehr als nur materielle Hilfe", sagte Tusk im Europaparlament. Der Brand der Kathedrale habe vor Augen geführt, dass man in der EU durch etwas bedeutenderes und tiefergreifendes verbunden sei als durch Verträge. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte an, dass die EU-Kommission alle Unterstützung leisten werde, die Frankreich möglicherweise benötigen könnte.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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