Panorama

Anzeige zu Heinsberg Staatsanwalt: Kein Grund für Ermittlungen gegen Streeck

132978876.jpg

Hatte mit seiner Forschung in Heinsberg erste wichtige Erkenntnisse über Covid-19 erlangt: Hendrik Streeck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Heinsberg-Studie schlägt zu Beginn der Pandemie hohe Wellen. Die Forschung des verantwortlichen Virologen Streeck im Corona-Hotspot soll einer Strafanzeige zufolge nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Doch die Justiz sieht kein strafbares Verhalten. Das steckt dahinter.

Die Bonner Staatsanwaltschaft wird nicht gegen den Bonner Virologen Hendrik Streeck ermitteln. "Wir sehen keinerlei Anhaltspunkte für strafbares Verhalten", sagte ein Sprecher der "Rheinischen Post". Gegen den Virologen Streeck war bei der Kriminalpolizei in Bonn Strafanzeige gestellt worden. Strafanzeige kann in Deutschland allerdings jede Frau und jeder Mann stellen. In diesem Falle kam die Strafanzeige wohl von Markus Kühbacher, der sich selbst als Wissenschaftler bezeichnet. Er ist schon wiederholt durch öffentlichkeitswirksame Anzeigen aufgefallen. Nur wenn die Staatsanwaltschaft eine Anzeige für begründet hält, nimmt sie Ermittlungen auf. Dies ist im Falle Streeck ganz offensichtlich nicht der Fall.

Der konkrete Vorwurf in der Anzeige, über den das Magazin "Capital" berichtete, lautet: Streeck soll dem Auftraggeber "erfundene Forschungsergebnisse" geliefert haben, um weitere Mittel für die Heinsberg-Studie zu bekommen, die der Bonner Virologe bereits auf eigene Faust begonnen hatte. In einem Zwischenbericht zur Heinsberg-Studie habe Streeck zudem keine wissenschaftlich fundierten Daten erhoben, die einen Zusammenhang zwischen Hygienemaßnahmen, der Viruskonzentration und dem Schweregrad einer Corona-Erkrankung erlauben.

Die Heinsberg-Studie war im Auftrag der NRW-Landesregierung entstanden. Ein Forscher-Team um Streeck hatte in Gangelt an der niederländischen Grenze 919 Einwohner in 405 Haushalten befragt und Corona-Tests vorgenommen.

Der renommierte HIV-Forscher Streeck sammelte bereits Anfang März Daten im Corona-Hotspot, wo sich das Virus nach einer Karnevalsfeier verbreitet hatte. Durch qualitative Interviews mit den Infizierten gewann er wertvolle Erkenntnisse - etwa, dass Covid-19-Patienten häufig unter Geschmacks- und Geruchsverlust leiden. Erst Wochen später kam es zur Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen.

Streeck: Wir haben sauber gearbeitet

Um die Unterstützung durch die NRW-Landesregierung überhaupt zu bekommen, war ein genehmigtes Ethikvotum notwendig - ein wissenschaftlicher Qualitätsstandard, der für jede Studie an und mit Menschen benötigt wird. Im Gespräch mit den Verantwortlichen hatte Streeck am 25. März betont, dass ein "positives Ethikvotum" für die Tests und Datenerhebung in der Gemeinde Gangelt vorliege. Das tatsächliche Ausstellungsdatum des Ethikbescheids ist laut dem Deutschen Register für Klinische Studien aber der 31. März. Durch diese mutmaßlich falsche Angabe habe Streeck das Land NRW als Auftraggeber getäuscht, um den Abschluss des Vertrags für Drittmittel zu ermöglichen, heißt es in der Strafanzeige.

Der Bonner Virologe wies den Vorwurf falscher Angaben zurück. Im Zusammenhang mit der Forschung in Gangelt habe es "mehrere Voten" der Ethikkommission gegeben. Tatsächlich hatte Streeck für seine Forschung bereits mehrere positive Ethikvoten erhalten, diese jedoch mit den sich rasch entwickelnden Infektionsgeschehen und den Anforderungen an die Studie angepasst und immer wieder neu beantragt.

Laschet gibt Streeck Rückendeckung

Unterstützung bekam Streeck auch von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. "Wir geben eine Studie bei einem der renommiertesten Virologen in Auftrag, die dieses Land hat. Diese Ergebnisse haben wissenschaftlich und international große Beachtung gefunden. Wenn da jemand Kritik übt, dann wird das aufgeklärt. Aber ich schätze sehr, was Herr Streeck an Arbeit leistet", sagte Laschet im "ntv Frühstart".

Der Annahme, dass die Strafanzeige gegen Streeck von einem Wissenschaftler stamme, widersprach Laschet. Es sei hier "viel Parteipolitik oder sonst was im Spiel". Weiter: "Mich interessiert: Ist das ein renommiertes Ergebnis und das ist das, was die wissenschaftliche Szene im Moment diskutiert."

Quelle: ntv.de, mba