Panorama
Hände weg von sogenannten Schlankheitspillen.
Hände weg von sogenannten Schlankheitspillen.(Foto: imago/CHROMORANGE)
Mittwoch, 22. April 2015

Tod durch Diätpillen-Überdosis: Studentin "verbrennt innerlich"

Es ist ein Spiel mit Leben und Tod: Wer sich Diätpillen in den unendlichen Weiten des Internets besorgt, muss mit schweren Nebenwirkungen rechnen. Und manchmal sogar mit dem Leben bezahlen - wie der tragische Fall einer 21-Jährigen zeigt.

Das Leben von Eloise Aimee Parry endete auf tragische Weise. Sie wurde nur 21 Jahre alt. Sie musste sterben, weil sie sich in einer diätverrückten Gesellschaft offenbar zu dick fühlte. Um lästige Pfunde loszuwerden, bestellte sich die junge Engländerin im Internet Diätpillen.

Das Drama nimmt seinen Lauf, denn was die Studentin nicht weiß: Die Tabletten enthalten hochgiftiges Dinitrophenol, auch DNP genannt. Statt der empfohlenen Menge schluckt Parry gleich ein paar mehr. Zwei Tabletten sind erlaubt - sie schluckt acht. Eine fatale Entscheidung.

DNP - Sprengstoff als Diätpulver

Der illegale Handel mit Diätpillen und Fatburner im Internet ist ein Spiel mit Leben und Tod. Silke Schwartau, die Leiterin der Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale Hamburg, verweist auf Pillen, die Substanzen wie Amphetamine, Ephedrin, Clenbuterol und Schilddrüsenhormone enthalten. Aber der gefährlichste aller Fatburner ist DNP (2,4-Dinitrophenol).

2,4-Dinitrophenol (DNP) ist eine fettlösliche Substanz. Alle Nitrophenole sind hochgiftig und führen bei Kontamination durch Einatmen, Verschlucken und Kontakt zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerz und Leberschäden sowie zu Reizungen der Augen und der Atemwege.

Ursprünglich fand DNP im Jahr 1919 seine erste Anwendung als Bestandteil eines Sprengstoffs. Arbeiter, die mit dieser Substanz in Kontakt kamen, verloren erheblich an Gewicht. Schon bald schluckten die ersten Diätwilligen in den USA das Mittel als wundersames Schlankheitskur: "Dieting by cooking yourself" lautete die Devise – abnehmen, indem man sich selbst verbrennt.

Nach der Einnahme der Diätpillen fühlt sich die junge Frau plötzlich unwohl, sie fährt in die Notaufnahme und erklärt, was los ist. Es besteht keinerlei Panik, da Parry bei vollem Bewusstsein ist. Das ändert sich jedoch schlagartig, als der toxikologische Bericht vorliegt. Er zeigt, wie aussichtslos die Situation ist. Denn das Medikament ist bereits in Parrys Blutkreislauf angekommen. Die Ärzte sind ratlos, haben kein Gegenmittel.

Parry hatte sich vergiftet. "Sie wusste ja nicht, wie gefährlich sie waren", berichtete ihre Mutter der BBC. "Sie ist innerlich verbrannt."

Sie hatte keine Chance

Wenig später zeigt das Gift seine Wirkung. Parrys Zustand verschlechtert sich dramatisch. Die Ärzte versuchen, ihren Kreislauf zu stabilisieren. Als sie aufhört zu atmen, wird sie an ein Beatmungsgerät angeschlossen. "Als ihr Herz aufhörte zu schlagen, konnten sie sie nicht mehr wiederbeleben", berichtet die Mutter. "Sie hatte zu viel DNP eingenommen, sodass die Konsequenzen unvermeidbar waren. Es gab nie eine Chance, sie zu retten."

Nach dem Unglück veröffentlicht die für Ernährung zuständige Behörde Food Standards Agency (FSA) eine Warnung: "Wir raten der Öffentlichkeit, keine Tabletten oder Puder zu nehmen, die DNP enthalten. Es ist industriell, chemisch und für den menschlichen Gebrauch ungeeignet, da es extrem gesundheitsgefährlich sein kann."

Auch Eloises Mutter ist sicher, dass viele die Gefahr von Diät-Pillen unterschätzen. Für ihre Tochter kam jede Hilfe zu spät. Jetzt möchte sie wenigstens den Tod von anderen verhindern und warnt vor dem giftigen Mittel: "DNP ist keine Wunderpille. Es ist ein tödliches Gift und in seiner Struktur ähnlich wie TNT, weshalb es deinen Stoffwechsel auf ein explosives Niveau mit fatalen Folgen treiben kann."

Auch hierzulande warnen Verbraucherschützer, die Stiftung Warentest und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte regelmäßig vor den Risiken der Diätpillen. Viele von ihnen werden zwar als "natürlich" und "pflanzlich" feilgeboten, enthalten aber knallharte pharmazeutisch aktive Wirkstoffe - mit heftigen Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe, Schweißausbrüchen oder Niedergeschlagenheit. "Es ist ein Spiel mit Leben und Tod", sagt Silke Schwartau, Leiterin der Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale Hamburg.

Quelle: n-tv.de