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Erlösung durch Visum Syrer sitzt sieben Monate auf Flughafen fest

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Hassan al-Kuntar betrat nach Monaten der Ungewissheit kanadischen Boden.

(Foto: AP)

Weil er 2012 den Kriegsdienst verweigert, wird sein Pass nicht verlängert. Für Hassan al-Kuntar beginnt eine jahrelange Odyssee. Sie erreicht eine vorläufige Sackgasse an einem Flughafen in Malaysia. Doch nun schöpft der Syrer neue Hoffnung.

Nach monatelangem Zwangsaufenthalt im Transitbereich eines malaysischen Flughafens ist ein Flüchtling aus Syrien endlich wieder in Freiheit: Der 36-jährige Hassan al-Kontar traf auf dem Flughafen von Vancouver in Kanada ein, das ihm ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht gewährte. Al-Kontar war im März am Flughafen von Kuala Lumpur in Malaysia gestrandet. Dort saß er sieben Monate fest, weil er wegen Visumsproblemen weder ein- noch ausreisen durfte.

"Ich sehe aus wie jemand, der aus der Steinzeit oder dem Mittelalter geflohen ist. Das tut mir leid", sagte al-Kontar in einem auf Twitter veröffentlichten Video, sich durch den buschigen Vollbart streichend. Der Fall des Syrers wurde weltweit bekannt, als er in den sozialen Medien Fotos und Videos von seinem Alltag im Terminal 2 des Kuala Lumpur International Airport veröffentlichte: Er überlebte dank gespendeter Flugzeugverpflegung und versuchte sich in der Flughafentoilette die Haare zu schneiden.

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Der 36-Jährige lebte nach eigenen Angaben seit 2006 in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und arbeitete dort in der Versicherungsbranche. Nach Ausbruch des Krieges in Syrien habe es die syrische Botschaft in den Emiraten 2012 zunächst abgelehnt, seinen ausgelaufenen Pass zu verlängern, weil er sich weigerte, Militärdienst in Syrien leisten zu wollen.

Fünf Jahre habe er illegal in den VAE gelebt, bevor er mit einem vorläufigen Pass nach Malaysia weitergereist sei. Als er nach Ablauf seines Visums versucht habe, nach Ecuador und Kambodscha weiterzureisen, sei ihm die Einreise verweigert worden. Seitdem habe er sich im Transit-Bereich aufgehalten.

Frische Kleidung und ein Job

"Die letzten achten Jahre waren eine harte, lange Reise. Die letzten zehn Monate war es sehr hart und kalt", sagte al-Kontar. Im Oktober wurde er von Einwanderungsbeamten inhaftiert. Der Fernsehsender BBC berichtete, dass er die vergangenen zwei Monate in einem Aufnahmezentrum in Malaysia verbracht habe. Nach Angaben seines Anwalts Andrew Brouwer wurde er einen Tag vor seinem Abflug zurück zum Flughafen gebracht.

Eine Online-Petition hatte mehr als 62.500 Unterschriften gesammelt und die Weiterreise des Syrers nach Kanada gefordert. In Vancouver wurde der 36-Jährige nun von Laurie Cooper empfangen, die ihn zusammen mit einer Gruppe Einwohner des Ski-Orts Whistler und der British Columbia Muslim Association nach Vancouver gebracht und fast 15.000 kanadische Dollar als Starthilfe gesammelt hatte. In Whistler erwarteten al-Kontar ein Bett, frische Kleidung und ein Job in einem Hotel. "Ich habe meine Zeit an Flughäfen abgesessen - keine Flughäfen mehr", sagte er.

Der Syrer ist nicht der einzige Asylsuchende, der lange Zeit in Ungewissheit an einem Flughafen verbracht hat. Im Jahr 2015 verbrachte eine irakische Familie mehr als zwei Monate in einer leeren Raucherkabine an einem Flughafen in Moskau, von Passagieren mit Wasser und Essen versorgt.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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