Panorama

Mord an bulgarischer Moderatorin Tatverdächtiger in Deutschland gefasst

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Wiktorija Marinowa wurde am Wochenende ermordet.

(Foto: AP)

Am Wochenende wurde in Bulgarien eine Journalistin ermordet, die auch über Korruption berichtete. Nun gibt es eine Festnahme in Deutschland. Der Verdächtige ist ein 21-Jähriger aus Bulgarien. Seine Auslieferung wird nun geprüft.

Im Fall der getöteten TV-Moderatorin Wiktorija Marinowa ist nach Angaben der bulgarischen Regierung ein Tatverdächtiger in Deutschland gefasst worden. Es handele sich um den 21-jährigen Sewerin K. aus der bulgarischen Stadt Russe, der polizeibekannt sei, sagte der bulgarische Innenminister Mladen Marinow in Sofia. Er sei am späten Dienstagabend festgenommen worden.

Die niedersächsischen Behörden bestätigten die Festnahme eines Verdächtigen. Der Mann sei nach Hinweisen bulgarischer Behörden in Stade bei Hamburg von Zielfahndern aufgespürt und von Spezialkräften festgenommen worden, teilten die Generalstaatsanwaltschaft in Celle und das Landeskriminalamt in Hannover mit. Gegen 20.15 Uhr stürmten demnach mehrere Dutzend Polizisten die Wohnung eines Mehrfamilienhauses und nahmen zunächst zwei Männer fest, von denen einer wieder freigelassen wurde. Es handelte sich um die Wohnung von Familienangehörigen des Gesuchten.

Nach Angaben der niedersächsischen Behörden handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen bulgarischen Staatsbürger, dem zur Last gelegt wird, die Journalistin vergewaltigt, beraubt und ermordet zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft in Celle wird nach eigenen Angaben nun die Voraussetzung für die Auslieferung prüfen und das weitere Verfahren betreiben. Dazu gehört auch, dass sie beim zuständigen Oberlandesgericht einen Haftbefehl für den Verdächtigen beantragt. "Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig die gute Vernetzung innerhalb der Sicherheitsbehörden in Europa ist", sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius.

"Wir verfügen über genug Beweise, die diese Person mit dem Ort des Verbrechens und dem Opfer in Verbindung bringen", sagte der bulgarische Innenminister Marinow. Ihm würden Vergewaltigung und vorsätzlicher Mord vorgeworfen. Die Festnahme des 1997 geborenen Verdächtigen sei auf Antrag der bulgarischen Behörden erfolgt. Man strebe die Auslieferung des Verdächtigen aus Deutschland an, sagte Regierungschef Boiko Borissow.

DNA-Proben erhärten Tatverdacht

Die brutal zugerichtete Leiche der Moderatorin war am Samstag in einem Park am Donauufer in Russe entdeckt worden. Der Tod wurde durch Schläge auf den Kopf und Ersticken ausgelöst. Die 30-Jährige war auch vergewaltigt worden. Sie war in dem Park joggen gegangen.

Der Verdächtige sei über die Donaubrücke von Russe nach Rumänien geflüchtet, sagte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow. Nach seinen Angaben besteht nach derzeitigem Ermittlungsstand kein Zusammenhang zwischen der Tat und der Arbeit der 30-jährigen Journalistin. "Aber wir untersuchen weiterhin alle Hypothesen", fügte er hinzu. "Die Beweise, die wir derzeit haben, lassen auf einen spontanen Angriff schließen, um das Opfer sexuell zu missbrauchen", sagte Zazarow.

Der Tatverdacht stütze sich auf DNA-Proben, sagte der Generalstaatsanwalt weiter. DNA-Material des Mannes sei am Körper der Toten entdeckt worden. Auch seien persönliche Sachen der Ermordeten in der Wohnung des Verdächtigen in Russe entdeckt worden. Sewerin K. wurde demnach bereits wegen Mordes und Vergewaltigung gesucht.

Marinowa hatte in der letzten Ausgabe ihrer neuen Sendung "Detektor" einen Investigativ-Journalisten aus Rumänien und einen aus Bulgarien zu Gast. Die beiden recherchieren über einen angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern in Bulgarien. Das EU-Betrugsbekämpfungsamt Olaf wertet derzeit die Informationen aus Bulgarien aus.

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Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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