Panorama

"Humanitäre Katastrophe" Tausende Afghanen erkranken an Masern

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Über drei Millionen Kinder unter fünf Jahren könnten bis Ende des Jahres unterernährt sein.

(Foto: imago/UIG)

Die Lage in Afghanistan wird immer prekärer. Während die Bevölkerung unter dem Lebensmittelmangel leidet, erkranken nun immer mehr Menschen an Masern. Die WHO ist höchst besorgt, denn "für unterernährte Kinder sind Masern ein Todesurteil".

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich alarmiert über einen Masern-Ausbruch in Afghanistan gezeigt. Tausende Menschen seien bereits erkrankt, rund 90 seien bisher gestorben, erklärte WHO-Sprecherin Margaret Harris. Ohne rasche Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionskrankheit drohe die Zahl der Todesopfer weiter zu steigen.

Besonders besorgniserregend sei der Ausbruch wegen des akuten Nahrungsmittelmangels in dem Krisenland, sagte Harris weiter: "Für unterernährte Kinder sind Masern ein Todesurteil."

Nach Angaben der WHO-Sprecherin wurden seit Jahresbeginn mehr als 24.000 Masernfälle diagnostiziert, von denen knapp 2400 durch Labortests bestätigt wurden. Mindestens 87 Menschen seien daran gestorben.

Die WHO warnt seit Wochen vor einer "humanitären Katastrophe" in Afghanistan, das bereits vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in hohem Maße auf humanitäre Hilfe aus dem Ausland angewiesen war. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet demnach unter akutem Nahrungsmittelmangel.

Bevölkerung droht Hunger

Bereits im September und Oktober erlebten fast 19 Millionen Afghanen ein hohes Maß an akuter Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet einen Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gründe für den Anstieg sind die anhaltende Dürre, der Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen, eine schwere Wirtschaftskrise und steigende Lebensmittelpreise in dem Land.

Über drei Millionen Kinder unter fünf Jahren könnten bis Ende des Jahres unterernährt sein, warnte Harris. Mehr als eine Million Kinder dieser Altersgruppe seien vom Hungertod bedroht.

Die militant-islamistischen Taliban hatten nach Beginn des Abzugs der internationalen NATO-Truppen weite Teile Afghanistans erobert. Am 15. August zogen sie kampflos in die Hauptstadt Kabul ein und regieren seitdem. Internationale Hilfs- und Entwicklungsgelder wurden seither zu einem großen Teil eingestellt.

Quelle: ntv.de, can/AFP/dpa

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