Fehler bei GerätetestTepco muss Reaktivierung eines Atomreaktors verschieben

In dieser Woche will der japanische Energiekonzern Tepco erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor fast 15 Jahren wieder einen Atomreaktor in Betrieb nehmen. Doch kurz vorher funktioniert ein Alarm nicht richtig. Die Bevölkerung ist ohnehin dagegen.
Der japanische Energiekonzern Tepco muss das erste Anfahren eines Reaktors seit der Atomkatastrophe von Fukushima verschieben. Das teilte der Konzern laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NHK mit. Die Wiederinbetriebnahme war für Dienstag geplant. Als Grund für die Verschiebung nannte Tepco eine Fehlfunktion eines Alarms bei einem Gerätetest am Wochenende. Bei einer Inspektion zur Entfernung der Steuerstäbe aus Block 6 des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa funktionierte ein Alarm, der hätte ausgelöst werden müssen, nicht ordnungsgemäß. Der Reaktor soll nun voraussichtlich in den kommenden Tagen wieder ans Netz gehen, so NHK weiter.
Im Dezember hatte Tepco-Präsident Tomoaki Kobayakawa mitgeteilt, der erste Block des weltgrößten Atomkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa solle am 20. Januar wieder hochgefahren werden. Zuvor hatte das Regionalparlament der Präfektur Niigata, in der die Anlage liegt, grünes Licht für die teilweise Wiederinbetriebnahme gegeben. "Als das für den Unfall von Fukushima Daiichi verantwortliche Unternehmen werden wir die gewonnenen Erkenntnisse und Lehren anwenden", sagte Kobayakawa. "Wir werden die Wiederinbetriebnahme, die erste seit 14 Jahren, fortsetzen und dabei die Sicherheit an oberste Stelle setzen."
Tepco drängte seit langer Zeit darauf, eigene Atomreaktoren wieder hochfahren zu dürfen, um die hohen Importkosten für ersatzweise betriebene Wärmekraftwerke zu senken. Während der gesamten Abschaltungszeit waren die 6.000 Mitarbeiter des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa im Dienst geblieben.
Anwohner fühlen sich nicht sicher
Dem britischen Guardian zufolge verfügt das Kernkraftwerk über Seemauern und wasserdichte Türen, um einen besseren Schutz vor einem Tsunami zu gewährleisten. Mobile Dieselgeneratoren und eine große Flotte von Feuerwehrfahrzeugen stünden bereit, um im Notfall Wasser zur Kühlung der Reaktoren bereitzustellen. Verbesserte Filtersysteme wurden installiert, um die Ausbreitung radioaktiver Stoffe zu kontrollieren.
Trotzdem lehnen Anwohner die Reaktivierung des Reaktors mehrheitlich ab. In einer Umfrage der Präfekturregierung vom Ende des letzten Jahres gaben mehr als 60 Prozent der Menschen, die in einem Umkreis von 30 km um das Werk wohnen, an, dass sie nicht glauben, dass die Bedingungen für die Wiederinbetriebnahme der Anlage erfüllt seien. Sie argumentieren unter anderem, die seismische Aktivität in dieser Region im Nordwesten Japans mache es unmöglich, die Sicherheit des Kraftwerks zu gewährleisten.
Nach einem Erdbeben und einem Tsunami im Jahr 2011 war es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zur Kernschmelze gekommen. Dies gilt als die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl. Daraufhin wurden alle 54 Reaktoren in Japan abgeschaltet.
In Deutschland nahm die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel die Katastrophe zum Anlass, den Ausstieg aus der Kernenergie zu beschleunigen. Inzwischen hat Japan 14 der 33 noch betriebsfähigen Reaktoren wieder in Betrieb genommen, um sich von importierten fossilen Brennstoffen unabhängiger zu machen. Die Regierung in Tokio will den Anteil der Kernenergie am Energiemix verdoppeln.