Panorama

Mindestens drei Tote Tornado verwüstet tschechische Dörfer

Tornados gibt es nicht nur in Amerika, in Zusammenhang mit schweren Unwettern können sie auch in Europa auftreten. Am Abend fegt eine solche Windhose über den Südosten Tschechiens hinweg. Ganze Dörfer werden zerstört, es gibt Tote und viele Verletzte. Die Rettungskräfte sind im Großeinsatz.

Bei einem Unwetter mit einem Tornado im Südosten Tschechiens hat es Tote und zahlreiche Verletzte gegeben. Die Zahl der Toten bezifferte eine Sprecherin der Rettungskräfte mit mindestens drei. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt, davon mindestens 10 schwer. In mehreren Dörfern seien Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zerstört, Bäume umgestürzt und Autos umhergeschleudert worden, berichtete der Fernsehsender CT.

Die Situation dort sei wie in einem Krieg, sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech. Laut CT sind bei dem Unwetter in Südmähren nahe der Grenze zu Österreich mehrere Busse umgestürzt. Alle verfügbaren Einsatzkräfte seien auf dem Weg in die Region, erklärte Innenminister Jan Hamacek in der Nacht. "Alles, was Arme und Beine hat, fährt dorthin."

Auf Bildern und Videos in sozialen Medien ist eine gewaltige Windhose zu sehen. Ein Meteorologe des tschechischen Fernsehens erklärte, es habe sich offenbar um einen Tornado der Stufen F3 bis F4 gehandelt, was einer Geschwindigkeit von 267 bis 322 Kilometer pro Stunde entspräche.

Besonders betroffen sind die Gemeinden Hrusky mit knapp 1500 und Moravska Nova Ves mit rund 2600 Einwohnern. Die Unglücksregion liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Brno (Brünn) nahe der österreichischen und der slowakischen Grenze. Bis nach Wien sind es in der Luftlinie nur rund 80 Kilometer.

Der stellvertretende Bürgermeister Hruskys sagte der Agentur CTK, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. "Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster", sagte er. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können.

Hagelkörner groß wie Tennisbälle

Mehrere Rettungsstaffeln mit Hunden sind im Einsatzgebiet unterwegs, um in Gebäuden nach möglichen Verschütteten suchen. Die Feuerwehr ging von Haus zu Haus. "Hier herrscht großes Chaos, große Panik", sagte ein Augenzeuge in der Gemeinde Luzice dem Sender CT. Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten.

Den ganzen Abend zogen schwere Sommergewitter durch Südmähren, das für seine Weinanbaugebiete bekannt ist. Die Notrufleitungen waren überlastet. In den Verwaltungsbezirken Breclav und Hodonin fielen Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen, wie Zeugen in den sozialen Medien berichten. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben. Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav führt, war nicht befahrbar, weil eine Hochspannungsleitung auf die Fahrbahn gestürzt war. Rund 32.000 Haushalte waren ohne Elektrizität.

Die Regierung in Prag versetzte Kräfte der Armee für einen möglichen Hilfseinsatz in Bereitschaft. Österreich schickte 20 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber, auch die benachbarte Slowakei entsandte Hilfe. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis ließ mitteilen, dass er wegen des Wetters in Europa nicht mit dem Flugzeug aus Brüssel zurückkehren könne, wo er an einem EU-Gipfel teilnimmt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.