Panorama

Auffällige Maniküre Tochter erkennt tote Mutter auf Foto aus Butscha

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Auf dem linken Foto ist Irina Filkina wenige Tage vor ihrem Tod zu sehen.

(Foto: REUTERS / Instagram/subacheva_mua )

Die Fotos der getöteten Zivilisten in Butscha schockieren Menschen auf der ganzen Welt. Eins der Bilder sticht dabei besonders hervor. Darauf ist die Hand einer Toten zu sehen. Ihre roten Fingernägel bringen zwei Frauen schreckliche Gewissheit. Die eine erkennt ihre Kundin, die andere ihre Mutter.

Dieses Bild ging um die Welt. Die Hand einer toten Frau im befreiten Butscha. Ihre Fingernägel sind rot lackiert, einer davon ist aber weiß oder rosa, mit einem Herz geschmückt. Die Frau hieß Irina Filkina, sie wurde 53 Jahre alt. Es war ausgerechnet ihre Maniküre, durch die sie identifiziert wurde.

Vor dem Krieg nahm Irina Filkina Make-Up-Unterricht bei einer Kosmetikerin aus dem benachbarten Hostomel. Das Bild habe ihr sofort in die Augen gestochen, erzählt nun Anastasia Subatschewa in einem Instagram-Post. "Zunächst konnte ich mir nicht erklären, warum ausgerechnet dieses Bild mich so anlockte". Doch dann verstand sie. "Irina war meine Kundin, sie nahm bei mir Schminkunterricht", heißt es im Post weiter. Demnach fand die letzte Unterrichtsstunde am Vorabend des Krieges statt - am 23. Februar.

"Sie war überglücklich, sie übte immer so fleißig, wie niemand sonst", schreibt Anastasia. "Sie erzählte immer wieder, wie sehr ihr Make-Up von Bewunderern geschätzt wurde. Sie erstellte einen Account bei Instagram", fährt die Kosmetikerin fort. "Sie sagte: "Ich habe endlich das Wichtigste verstanden - man muss sich selbst lieben und für sich selbst leben. Und endlich werde ich mein Leben so wie ich will leben."

"Sie wurde erschossen, mitten auf der Straße"

Irina starb bereits am 5. März. "Sie wurde erschossen, mitten auf der Straße, keine 15 Minuten von Zuhause entfernt… Mit einer Kugel, die so groß ist, wie mein Finger", schreibt die Tochter der Verstorbenen, Olga Shchiruk, auf Instagram. Die Frau sei mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause unterwegs gewesen, als es zu den Schüssen kam, erzählt die Familie der Getöteten dem Fernsehsender 1+1.

Am nächsten Tag erfuhr die Tochter, die nicht in Butscha lebt, dass auf ihre Mutter geschossen wurde und dass sie wahrscheinlich tot ist. Zudem konnte Olga ihre Mutter telefonisch nicht erreichen. Nach mehreren Wochen Hoffnung, dass ihre Mutter doch noch lebt, sah Olga dann Anfang April die Fotos der Getöteten aus Butscha. Auf einem davon war die Hand mit den roten Fingernägeln zu sehen.

Die Angehörigen konnten Irina Filkina noch nicht begraben. Ihre Leiche wurde - genauso wie Hunderte weitere - von der Straße geholt und muss jetzt gerichtsmedizinisch untersucht werden. Im Gedenken an ihre Mutter beschlossen Olga und ihre Schwester, eine Wohltätigkeitsstiftung zu gründen, die die Kinder, die im Krieg Waisen geworden sind, unterstützen soll.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 08. April 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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