Zeuge spricht von MordTürkischer Gouverneurssohn gerät in Vermisstenfall unter Druck

Im Fall um die vermisste Studentin Gülistan Doku in der Türkei gibt es möglicherweise einen Durchbruch. Ein Verdächtiger, der in den USA festgenommen wird, unterstellt dem Sohn eines ehemaligen Gouverneurs Mord - er selbst habe ihm dabei geholfen.
Eine Aussage eines Beschuldigten im Fall einer vor sechs Jahren verschwundenen Studentin in der Türkei hat für neue Anschuldigungen gesorgt. Wie die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka meldete, wurde der über Interpol per sogenannter Red Notice gesuchte Verdächtige in den USA festgenommen und vom FBI verhört. Mit einer "Red Notice" kann ein Land dazu auffordern, eine Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Ein internationaler Haftbefehl ist das nicht.
Den Angaben nach soll der Mann den Sohn des damaligen Gouverneurs der Provinz Tunceli beschuldigt haben. Er habe sich mit ihm im Auto befunden, als dieser auf die Studentin Gülistan Doku schoss, hieß es. Er habe ihm anschließend geholfen, die Leiche in den Kofferraum zu legen.
Die 21-jährige Studentin war im Januar 2020 verschwunden - die Behörden gehen davon aus, dass sie getötet wurde. Die Ermittlungen sollten schon zu den Akten gelegt werden, doch neue Erkenntnisse führen immer wieder zu Verhaftungen.
Zahlreiche Beweise sollen gefälscht worden sein
Inzwischen sitzen mehr als 30 Personen im Zusammenhang mit dem Verschwinden der jungen Frau in Untersuchungshaft, darunter der damalige Gouverneur der Provinz Tunceli, Tuncay Sonel. Gegen ihn bestehe unter anderem der Verdacht, Beweismittel vernichtet, verheimlicht oder verändert zu haben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu im April.
Gouverneure werden in der Türkei von der Zentralregierung in Ankara ernannt. Sonel war Anadolu zufolge zwischen 2017 und 2020 Gouverneur von Tunceli. Zuvor war schon sein Sohn wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Tötung verhaftet worden.
Kürzlich wurde unter anderem ein Polizeitaucher verhaftet. Es bestehe der Verdacht der "Beweismittelverfälschung", meldete Anadolu. Ermittelt wurde demnach unter anderem auch gegen einen ehemaligen Polizisten mit dem Vorwurf, Daten vom Telefon der Studentin gelöscht zu haben und gegen einen Arzt, der Krankenhausunterlagen gelöscht haben soll sowie gegen den damaligen Freund der Studentin.
Jahrelang hatten Frauenorganisationen und die Angehörigen der verschwundenen Studentin die Aufklärung des Falls gefordert.