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Nach Ansicht der Mutter wollte ihr Ex-Partner sie mit dem Entzug der Kinder bestrafen.
Nach Ansicht der Mutter wollte ihr Ex-Partner sie mit dem Entzug der Kinder bestrafen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Töchter 2015 entführt: Tunesischer Vater könnte einlenken

Sie sprechen kaum noch Deutsch und leben seit mehr als zwei Jahren in einem tunesischen Bergdorf. Dabei hat ihre deutsche Mutter das Sorgerecht für die beiden Mädchen, nun signalisiert der Vater vor Gericht Entgegenkommen.

Im Prozess um zwei in Tunesien festgehaltene deutsche Mädchen hat der inhaftierte Vater Bereitschaft signalisiert, die Töchter freizugeben. "Herr Richter, ich möchte auch, dass die Kinder nach Deutschland zurückkommen", sagte der 40-Jährige im Landgericht Hannover. Der Tunesier sitzt seit dem Frühjahr 2016 in einem deutschen Gefängnis, verurteilt wegen Kindesentziehung. Er wolle aber zunächst mit den Töchtern telefonieren und sie fragen, sagte der Angeklagte.

Die neun und zehn Jahre alten Mädchen leben seit dem Sommer 2015 bei der Familie des Mannes in einem Bergdorf an der Grenze zu Algerien. Dort sollten sie trotz der Trennung der Eltern die Familie des Vaters kennenlernen. Die Neunjährige spricht kein Deutsch mehr. Die Mutter hat ihre Töchter mehrfach in Tunesien besucht, sie darf die Kinder aber nur in der Anwesenheit eines Mitglieds der tunesischen Familie sehen. Die Mutter berichtete der "Welt", den Kindern werde eingeredet, dass sie sie verlassen habe.

Alleinige Sorgerecht auch in Tunesien

Die Mutter kämpft seit Jahren um die Rückgabe der Kinder, sie hat inzwischen auch in Tunesien das alleinige Sorgerecht. Wegen der abgelegenen Lage des Dorfes sehen sich die tunesischen Behörden jedoch nicht in der Lage, diese Entscheidung durchzusetzen.

Der Vater kann in Deutschland wegen der Kindesentziehung immer wieder neu verurteilt werden, bis die Kinder volljährig sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Fall bei ihrem Tunesienbesuch auch in den Regierungsgesprächen thematisiert.  

Quelle: n-tv.de