Rückgabe von Nazi-RaubkunstUS-Abgeordnete kritisieren Seehofer

Die Erforschung von Nazi-Raubkunst ist eine komplizierte Sache. Jahre und Jahrzehnte kann es dauern, bis die Herkunft eines Bildes zweifelsfrei geklärt ist. Einigen Abgeordneten des US-Kongresses dauert das zu lange.
Abgeordnete des US-Kongresses fordern von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ein stärkeres Engagement für die Rückgabe von Nazi-Raubkunst aus Bayern. Ein entsprechender Brief sei am Dienstag eingegangen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei und bestätigte damit einen Bericht des "Spiegel". "Wir werden uns den Brief in Ruhe anschauen und ihn dann beantworten."
Das direkt an Seehofer adressierte Schreiben sei von 29 Abgeordneten des Repräsentantenhauses unterzeichnet worden. Die US-Amerikaner fordern nach Informationen des "Spiegel" von Seehofer "mehr Dialog und Kooperation" bei der Rückgabe von Kunstwerken, die einst von den Nationalsozialisten geraubt wurden. Er solle die Museen in Bayern dazu bringen, das Gespräch mit den jüdischen Familien zu suchen, die in Institutionen des Freistaates Nazi-Raubkunst vermuten, so etwa in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit ihren Pinakotheken in München. "Die Bedeutung, die diese Angelegenheiten für die Überlebenden des Holocaust und ihre Familien haben, ist nicht zu überschätzen", zitiert der "Spiegel" aus dem Schreiben.
Herkunft von 4000 Kunstwerken ungeklärt
Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim vermuten beispielsweise bei neun Gemälden in der Pinakothek der Moderne, dass sie Flechtheim von den Nationalsozialisten abgepresst wurden - darunter Werke von Max Beckmann und Paul Klee. Die Staatsgemäldesammlungen weisen diese Forderungen zurück. "Die Forschungen zur Herkunft der Bilder lassen keinen verfolgungsbedingten Entzug erkennen", sagte eine Sprecherin und verwies unter anderem auf Dokumente, nach denen die vertragliche Beziehung zwischen Flechtheim und Beckmann im Frühjahr 1931 beendet wurde.
Allein in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen müssen nach Museumsangaben mehr als 4000 Gemälde und Skulpturen, die nach dem Machtantritt der Nazis 1933 in die Bestände aufgenommen wurden, auf ihre Herkunft untersucht werden. Seit 2002 haben die Staatsgemäldesammlungen zwölf Bilder nach eingehender Provenienz-Recherche an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben.