Panorama

Science Fiction war gestern US-Amerikaner bauen Killer-Laser

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"Athena" verfügt über ein furchterregendes Zerstörungspotenzial.

(Foto: Lockheed Martin)

Seit Jahrzehnten träumen US-Militärs von Laserwaffen à la "Star Wars": mobil, mit großer Reichweite und extrem tödlich. Die neueste Entwicklung könnte ihre Wünsche erfüllen - sie grillt einen Pickup auf 1,6 Kilometer Entfernung.

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Dieser Laser heißt "LaWS" und ist auf dem US-Kriegsschiff "Ponce" installiert.

(Foto: REUTERS)

Dichter Qualm steigt von der Kühlerhaube des Pickups auf, Flammen züngeln aus einem fußballgroßen Loch, an dessen Rändern geschmolzenes Metall glüht: Mit unglaublicher Präzision hat ein Laserstrahl aus mehr als 1,6 Kilometern Entfernung eine klaffende Wunde in den Motorblock des Kleinlasters gerissen und ihn für alle Zeiten fahruntüchtig gemacht.

Was klingt wie die ersten Sätze aus einem billigen Science-Fiction-Roman hat sich so vor wenigen Tagen tatsächlich zugetragen, als der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin sein neuestes Waffensystem testete: Das "Advanced Test High Energy Asset" oder schlicht "Athena" ist laut Cheftechniker Keoki Jackson der leistungsstärkste Laser seiner Art und bündelt mehrere einzelne Strahlen zu einem 30-Kilowatt-Laser. "Das vergrößert Effizienz und tödliche Wirkung im Vergleich zu separat geschalteten 10-Kilowatt-Lasern in bisherigen Waffensystemen", so Jackson.

"Star Wars" gegen Interkontinentalraketen

Zwar sind unter Laborbedingungen schon deutlich stärkere Laser getestet worden. Die haben aber alle einen entscheidenden Nachteil: Sie sind extrem groß, sperrig und unflexibel. Der "Athena"-Laser dagegen ist so klein und mobil, dass  er problemlos an Bord von Schiffen, Flugzeugen, Helikoptern und sogar Jeeps untergebracht werden kann - davon träumen Militärs schon seit den ersten Feldtests mit Lasern in den 1960er Jahren.

Nachdem Ex-US-Präsident Ronald Reagan seine Träume von einem "Star Wars" genannten lasergestützten Schutzschild gegen sowjetische Interkontinentalraketen wegen technischer Probleme hatte begraben müssen, tat sich lange nichts auf dem Feld der Lasertechnologie. Erst seit ein paar Jahren häufen sich die Schlagzeilen um neue, aufsehenerregende Systeme, fast alle davon aus den Vereinigten Staaten.

Dabei scheint sich die Entwicklungsspirale immer rasanter zu drehen: Erst vor zwei Jahren stellte Lockheed Martin "Athenas" Vorgänger vor: "Adam" wurde eigentlich entwickelt, um anfliegende Munition unschädlich zu machen, lässt sich aber auch gegen andere Ziele einsetzen - ein Video, in dem der Laser auf ein Schlauchboot abgefeuert wird, ist allerdings wenig spektakulär: Fast 30 Sekunden braucht der Strahl, um ein Loch in die Hülle zu brennen. Kein Vergleich zu "Athena".

Die Besatzung grillen

Schon deutlich mehr Abschreckungspotenzial hat dagegen "LaWS" des ebenfalls amerikanischen Herstellers Kratos: Die auf dem US-Kriegsschiff "Ponce" installierte Laserkanone braucht nur wenige Sekunden, um ein Patrouillenboot auszuschalten oder eine Drohne abzuschießen.

Noch fürchterlicher soll also nun "Athena" unter ihren Feinden wüten. Wie genau die Laserwaffe eingesetzt werden soll, weiß Lockheed Martin: "'Athena' funktioniert ideal zum Schutz von Truppen und militärischer Infrastruktur." Ein gezielter Schuss auf den Motorblock eines Fahrzeugs, das auf einen Checkpoint zurast und eine Bombe an Bord haben könnte, schon steht der Wagen - und ist kein rauchendes Wrack, wie beim Treffer durch eine Rakete oder Granate.

Zumindest in der Theorie: Denn für ihren Test haben die Wissenschaftler bei Lockheed Martin den eingangs beschriebenen Pickup zum besseren Zielen aufgebockt. Im Ernstfall funktioniert so etwas natürlich nicht - und der Laserstrahl würde, nachdem er den Motorblock durchbohrt hätte, wohl geradewegs in die Fahrerkabine eindringen und die Besatzung des Wagens grillen. "Chirurgische Kriegsführung", wie sie die USA so gerne hätten, wird es also auch mit Laserwaffen nicht geben - "Star Wars" hin oder her.

Quelle: ntv.de