Panorama

Wrack im Meer vor Argentinien US-Experten entdecken verschollenes U-Boot

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U-Boot-Technik aus Deutschland: Die "ARA San Juan", hier beim Auslaufen im Hafen von Buenos Aires (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Das schwerste Unglück der argentinischen Seefahrt steht womöglich kurz vor der Aufklärung: Fast genau ein Jahr nach dem letzten Kontakt mit U-Boot "San Juan" geben die Behörden den Fund des Wracks bekannt. Noch ist unklar, was genau im Inneren geschah.

Ein Jahr nach dem Verschwinden des argentinischen U-Boots "ARA San Juan" haben Experten das Wrack im Atlantik entdeckt. Die US-Firma Ocean Infinity habe das gesunkene Boot im Meer geortet, teilte das argentinische Militär mit. Die Überreste der im November 2017 verschollenen "San Juan" liegen demnach am Grund in rund 800 Metern Tiefe.

Ein mit Kameras ausgestattetes unbemanntes Mini-U-Boot der US-Firma lieferte erste Bilder aus der Tiefe. Die Fundstelle liegt demnach rund 400 Kilometer vor der Küste Patagoniens. Die Entdeckung des Wracks war ein Glücksfall: Das von Ocean Infinity eingesetzte Hightech-Schiff "Seabed Constructor" sollte nach rund zweimonatiger Suche eigentlich zu Wartungsarbeiten nach Südafrika aufbrechen, als die Mannschaft sich entschied, erst noch ein zuvor wegen schlechter Wetterbedingungen bei der Suche ausgelassenes Gebiet zu überprüfen. Dabei stießen die Spezialisten auf das verunglückte U-Boot.

Für die Angehörigen der Besatzung reißt der Fund alte Wunde auf. Zugleich steigen damit aber auch die Chancen, ein Jahr nach dem tragischen Unglücksfall doch noch das genaue Schicksal der 44-köpfigen Besatzung aufklären zu können. "Wir bitten um Respekt und um Anerkennung für jene, die ihrer Heimreise nun einen Schritt näher gekommen sind", hieß es in einer ersten Reaktion der Familien der 44 vermissten Seeleute. "Wir empfinden in diesem Momenten so viele Gefühle."

Der Kontakt zur "San Juan" war am 15. November 2017 abgerissen. In den ersten Tagen nach dem Unglücksfall hatten die Familien der Seeleute noch auf ein Lebenszeichen oder ein Wunder gehofft. Die "ARA San Juan", ein dieselelektrisches U-Boot aus deutscher Produktion, blieb jedoch bis zuletzt verschollen.

Ein Sprecher der argentinischen Marine kündigte eine Untersuchung des Wracks an. Dabei solle die Ursache für das Unglück geklärt werden, hieß es. Die Militärs stehen dabei unter großem öffentlichen Druck. Die Marie hatte erst Tage nach dem Verschwinden Probleme mit dem U-Boot eingeräumt und damit die verzweifelte Wut der Angehörigen auf sich gezogen. Nach mehreren Wochen hatte die Marine die Suche, an der sich zeitweise Spezialkräfte aus 13 Nationen beteiligt hatten, als aussichtslos aufgegeben.

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Mit dem Fund des Wracks bestehen nun realistische Aussichten, die letzten Stunden und Minuten an Bord des havarierten U-Boots rekonstruieren zu können. Bekannt war bislang, dass es an Bord kurz vor dem Totalverlust des Bootes technische Schwierigkeiten gab. In ihrem letzten Funkspruch im November 2017 hatte der Kapitän des U-Boots einen Kurzschluss und ein Feuer an Bord gemeldet. Kurz darauf zeichneten Unterwassermikrofone im Südatlantik eine schwere Explosion auf.

Aufgrund der begrenzten Sauerstoffvorräte im Inneren des U-Boots und angesichts der Bedingungen auf hoher See waren Experten bereits nach Tagen davon ausgegangen, dass niemand an Bord das Unglück überlebt haben dürfte. Die Behörden erklärten die Besatzung, darunter den ersten weiblichen Offizier der argentinischen Unterwasserstreitkräfte, schließlich offiziell für tot.

Die Angehörigen forderten monatelang eine Fortsetzung der Suche. Im Februar lobte das argentinische Verteidigungsministerium schließlich eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) für Hinweise auf den Verbleib der "San Juan" aus. Im September schließlich teilte das Ministerium mit, dass die Suche wieder aufgenommen und von der US-Firma Ocean Infinity übernommen werde. Das Unternehmen verfügt über reichlich Erfahrung mit Einsätzen in großer Tiefe. Das Suchgebiet, in dem die Tiefseeroboter von Ocean Infinity zum Einsatz kamen, liegt früheren Angaben zufolge rund 550 Kilometer östlich der argentinischen Küstenstadt Comodoro Rivadavia.

"Es ist vorbei"

Vor der Bekanntgabe des Fundes hatten die argentinischen Behörden die Familien der Besatzungsmitglieder in einem Hotel in der Stadt Mar del Plata zusammengerufen. Dort sind seit Monaten Angehörige der Verschollenen untergebracht. "Wir sind am Boden zerstört", sagte Yolanda Mendiola, deren 28-jähriger Sohn Leandro an Bord der "San Juan" war. "Sie sagen, dass sie uns Fotos zeigen werden. Es ist vorbei."

Sie sei zuletzt davon ausgegangen, dass das U-Boot nie gefunden werden würde. "Jetzt denke ich, dass sie es hoch holen werden." Zugleich betonte Mendiola: "Jetzt wollen wir wissen, was passiert ist." Am Tag vor dem Fund hatte Argentiniens Präsident Mauricio Macri einer Gedenkveranstaltung auf dem Marinestützpunkt von Mar del Plata beigewohnt.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP