Panorama

Patientinnen missbraucht? Verdächtiger Arzt begeht Suizid in U-Haft

Blick auf das evangelische Klinikum Bethel. Foto: Friso Gentsch/dpa/Aktuell

In der Evangelischen Klinik Bethel sollen sich die Taten zugetragen haben.

(Foto: Friso Gentsch/dpa/Aktuell)

In einem Krankenhaus soll ein Arzt bei Behandlungen zwei Frauen betäubt und anschließend missbraucht haben. Möglicherweise ist die Zahl der Opfer noch höher. Seit einigen Tagen saß er in U-Haft. Dort nahm er sich nun das Leben.

Ein Arzt, der zwei Patientinnen betäubt und dann vergewaltigt haben soll, hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede sagte, der 32-jährige Neurologe sei am Morgen tot in seiner Zelle gefunden worden. Er habe sich erstickt, wofür er seine fachlichen Kenntnisse als Mediziner genutzt habe, schilderte Uwe Nelle-Cornelsen.

Der Mann war verdächtigt worden, im Juli und September 2019 in einer Klinik zwei Frauen vergewaltigt zu haben, ein Opfer sei zweimal sexuell missbraucht worden. Der 32-Jährige habe seine mutmaßlichen Taten gefilmt, hatten die Ermittler mitgeteilt. Der Mediziner war zu Wochenbeginn festgenommen worden, einen Tag später hatte das Amtsgericht Haftbefehl erlassen. Eine der Frauen hatte Anzeige erstattet und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen
  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Der 32-Jährige habe sich innerhalb der JVA in einem Infektionsschutzbereich befunden, der wegen Corona eingerichtet worden war, sagte Nelle-Cornelsen. Dort habe man ihn leblos in seiner Zelle aufgefunden. Es sei ein "normales Todesermittlungsverfahren" aufgenommen worden, hieß es bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld. In solchen Fällen gehe es in den Untersuchungen etwa darum, eine Fremdeinwirkung vollständig auszuschließen.

Der Mann war als Assistenzarzt in der Evangelischen Klinik Bethel tätig, dort freigestellt worden und hatte das Arbeitsverhältnis später von sich aus beendet, wie das Krankenhaus gemeldet hatte. Der Mediziner soll bei einer MRT-Untersuchung zur Sedierung vorsätzlich ein Medikament verabreicht haben, das nicht den Richtlinien entsprach. Zunächst war man laut Klinik nicht von einer schweren Straftat ausgegangen. Es sei wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt worden. Das Krankenhaus hatte sich bestürzt über die offensichtlich neue Beweislage und Festnahme des Mannes gezeigt.

Laut "Westfalen-Blatt" könnte es womöglich weitere Opfer geben. Bei einer Durchsuchung seien Dokumente mit Dutzenden Namen von Frauen gefunden worden. Dazu wollte sich die Staatsanwaltschaft bislang nicht äußern.

Quelle: jwu/dpa