Gewalttat in DormagenVerdächtiges Kind war Mitschüler von getötetem Yosef

Der gewaltsame Tod des 14-jährigen Yosef in Dormagen erschüttert die Menschen über die Region hinaus. Der Flüchtlingsjunge ist laut Obduktion an Stich- und Schnittverletzungen gestorben. Tatverdächtig ist ein deutscher Junge. Nun wird bestätigt, dass beide auf dieselbe Schule gegangen sind.
Der Junge, der den 14-jährigen Yosef in Dormagen getötet haben soll, war sein Mitschüler. Das hat die Polizei in Neuss auf Anfrage bestätigt. Vertreter der Bezirksregierung hätten dies der Schulleitung mitgeteilt. Die "Rheinische Post" hatte zuvor berichtet, dass ein Informationsschreiben von der Leitung der Realschule Hackenbroich am Montag an alle Eltern der Schule versandt worden sei. Wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens dürfe die Schule jedoch keine weiteren Auskünfte geben.
Am Freitag hatte die Polizei bekanntgegeben, dass das Verbrechen aufgeklärt werden konnte und ein Kind den 14-Jährigen getötet haben soll. Der strafunmündige deutsche Junge befindet sich in der Obhut des Jugendamtes. Er sei "aber nicht in Dormagen vor Ort", wird der Bürgermeister Erik Lierenfeld im Bericht der "Rheinische Post" zitiert. Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf Mittäter.
Der Polizei sei sehr schnell bekannt gewesen, dass es sich bei dem Tatverdächtigen ebenfalls um einen Schüler der Realschule handelt, sagte Polizeisprecherin Claudia Suthor gegenüber der "Rheinischen Post". Wann genau die Schule über diesen Sachverhalt informiert worden ist, konnte sie nicht sagen.
Die Leiche des 14-Jährigen aus Eritrea war Ende Januar an einem See in Dormagen von einem Spaziergänger gefunden worden. Die Obduktion hatte ergeben, dass der Junge an Stich- und Schnittverletzungen starb. Dormagen liegt zwischen Köln und Düsseldorf.
Am Freitag hatten an der Trauerfeier für den Jungen rund 800 Menschen teilgenommen. "Euren Schmerz können wir nicht in Worte fassen. Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen", sagt der Bürgermeister bei der Zeremonie. "Für unsere Gemeinschaft in unserer Stadt wird es nicht mehr dasselbe sein, wie vor dieser Zeit. Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen, die vermutlich nie ganz geschlossen wird." Am Wochenende zuvor hatten rund 2000 Menschen an einem Trauerzug für den Flüchtlingsjungen aus Eritrea teilgenommen.
Ein Psychologen-Team kümmert sich um Schüler und Lehrer der Schule. "Die betroffene Schule wird von einem Team von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus dem Regierungsbezirk und der Bezirksregierung Düsseldorf so lange wie nötig begleitet und unterstützt", sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller von der CDU.
NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich bestürzt zum Fall des getöteten 14-jährigen Yosef aus Dormagen geäußert. "Der Vorgang ist schon fürchterlich, dass so ein junger Mensch umgebracht wird, aber dann auch noch möglicherweise von einem Gleichaltrigen - das macht einen fassungslos und wirft viele Fragen auf."