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Missbrauchsfall Staufen Vergewaltiger muss zehn Jahre in Haft

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Der 33-Jährige hat vor Gericht seine Taten zugegeben.

(Foto: dpa)

Im Missbrauchsfall von Staufen verurteilt das Gericht einen Spanier zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe. Er ist einer von mehreren Männern, die einen Jungen wiederholt missbraucht und misshandelt hatten. Auch die Eltern des Opfers stehen noch vor Gericht.

Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Kindes aus Staufen bei Freiburg ist ein 33 Jahre alter Mann zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zudem ordnete das Landgericht Freiburg die Zahlung von 18.000 Euro Schmerzensgeld an. Dieses Geld gehe an das Opfer. Auf die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geforderte Anordnung von Sicherungsverwahrung verzichtete das Gericht. Es gebe hierfür nicht die notwendige rechtliche Grundlage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Der aus der Nähe von Barcelona stammende Angeklagte hatte zugegeben, den damals in Staufen lebenden und heute zehn Jahre alten Jungen mehrfach vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Verurteilt wurde der Spanier wegen mehrfacher schwerer Vergewaltigung, Kindesmisshandlung und Zwangsprostitution. Der Junge war mehr als zwei Jahre lang im Darknet - einem anonymen Teil des Internets - angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter und deren wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte haben das gestanden. In dem Fall gab es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen.

Der Spanier gab an, der Mutter und dem Lebensgefährten für die Vergewaltigungen mehr als 10.000 Euro gezahlt zu haben. Der Mann zahlte pro Treffen wiederholt 5000 Euro an die die beiden, gab auch dem Tatopfer Geld und schenkte Eltern und Kind Elektrogeräte wie Fernseher und Spielekonsole. Von Anfang September 2016 bis August 2017 war er laut Gericht vier Mal aus Spanien ins südliche Baden-Württemberg gereist und hatte für die Taten Ferienwohnungen angemietet. Der Junge war den Angaben zufolge erniedrigt, beleidigt, gedemütigt, gefesselt, maskiert und misshandelt worden. Der Mann war im Oktober 2017 von der spanischen Polizei festgenommen und später nach Deutschland überstellt worden.

Hohe Rückfallgefahr attestiert

Der Richterspruch gegen den 33-Jährigen, der den Angaben zufolge in Spanien bei einer Futtermittelfirma arbeitete, ist noch nicht rechtskräftig. Die am Prozess Beteiligten haben eine Woche Zeit, Revision einzulegen. Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung wollten sich am Montag dazu äußern, ob sie in Revision gehen werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer zwölf Jahre Gefängnis und unter Vorbehalt Sicherungsverwahrung gefordert. Auch die Anwältin der Nebenklage, die vor Gericht das Missbrauchsopfer vertritt, verlangte zwölf Jahre Haft und Sicherungsverwahrung. Die Verteidigerin hatte auf konkrete Forderungen in ihrem Plädoyer verzichtet.

Der 33-Jährige hatte als Grund für die Missbrauchstaten sexuelles Interesse an Kindern genannt. Ein psychiatrischer Gutachter attestierte ihm im Prozess eine hohe Rückfallgefahr. Nach Ende des Prozesses in Freiburg laufen gegen den Mann noch Mordermittlungen. Er steht im Verdacht, in Weißrussland ein Mädchen missbraucht und erdrosselt zu haben. Er bestreitet diese Vorwürfe. Sie waren nicht Bestandteil des Prozesses in Freiburg, weil sie sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nicht beweisen ließen.

Quelle: n-tv.de, sgu/dpa/AFP

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