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Mehrere Mädchen in Falle gelockt Vergewaltigungen in NRW - was wir wissen

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Kriminaloberkommisarin Milva Schonhauer, Kriminalhauptkomissar Ulrich Schmitz und Oberstaatsanwältin Anette Milk (von links) unterrichten über die Gruppenvergewaltigungen.

(Foto: dpa)

Fünf junge Männer sollen mehrere Mädchen im Ruhrgebiet in eine Falle gelockt und sie sexuell missbraucht haben. Auf Snapchat prahlten sie mit ihren Taten. Drei Verdächtige sitzen in U-Haft, der gesuchte 18-Jährige stellte sich.

Was ist passiert?

Fünf junge Männer zwischen 16 und 23 Jahren sollen mehrmals junge Mädchen brutal vergewaltigt haben. Derzeit sind der Polizei zwei vollendete und drei nicht vollendete Gruppenvergewaltigungen in den vergangenen Monaten bekannt. Die Ermittler gehen allerdings von einer Dunkelziffer aus. Das legen die Chatverläufe auf den beschlagnahmten Handys der Festgenommenen nahe. Die Gruppe soll in wechselnder Tatbeteiligung für die Sexualstraftaten verantwortlich sein. Polizeisprecher Lars Lindemann sprach von "besonders abscheulichen und brutalen Straftaten". Auf Snapchat prahlten die Vergewaltiger mit ihren Taten. Sie beschrieben ihr Vorgehen auf abscheuliche und niederträchtige Weise und verhöhnten die Opfer.

Wie gingen die Täter vor?

Die Masche war stets ähnlich: Unter dem Vorwand, dass man gemeinsam etwas unternehmen wolle, nahm einer der Männer aus dem sozialen Umfeld der Mädchen Kontakt auf. Zum Teil kamen die Treffen über Kontakte im Internet zustande. Zunächst wurde Vertrauen aufgebaut und das Mädchen überredet, zu den anderen jungen Männern ins Auto zu steigen. Dann fuhren sie an einen abgelegenen Ort, dort wurde dem Opfer unter einem Vorwand das Handy abgenommen. Anschließend wurde ihr offenbart, dass sie aus dieser Lage nicht mehr herauskommt. Dann kam es zu den sexuellen Übergriffen. Auf die Frage, wie lange die Mädchen in der Gewalt der Männer waren, sagte Kriminaloberkommissarin Milva Schonhauer: "Es wird sich um Stunden gehandelt haben."

Wie flogen die Taten auf?

Eine 16-Jährige erstattete am 29. Dezember Anzeige bei der Polizei in Gelsenkirchen. Sie gab an, dass sie am Tag zuvor vergewaltigt wurde. Zunächst war sie mit einem ihr bekannten 18-Jährigen unterwegs. Dieser habe sie überredet mit weiteren jungen Männern im Auto durch die Gegend zu fahren. Schließlich sei es zu sexuellen Handlungen in einem Wald im Essener Süden gekommen. Am 17. Januar erstattete ein 16 Jahre altes Mädchen Anzeige in Essen. Auch sie war zu den jungen Männern ins Auto gestiegen und dann auf einem Feld in Essen-Werden vergewaltigt worden. Aufgrund der ähnlichen Vorgehensweise verknüpften die Beamten beide Taten. Noch am Abend wurde ein erster Verdächtiger verhaftet. Weiteren Verdächtigen sei man durch die Auswertung von Handy-Chats auf die Spur gekommen.

Wie viele Fälle gibt es?

Auf den Handys der Tatverdächtigen fanden die Ermittler Chatverläufe, die weitere Vergewaltigungen vermuten lassen. "Wir haben festgestellt, dass eine Tat im November 2017 stattgefunden haben dürfte", erklärte Kriminalhauptkommissar Ulrich Schmitz. "Die Täter schreiben in den Chats, welche sexuellen Handlungen sie an dem Mädchen durchgeführt haben." Das Mädchen ist bislang noch nicht identifiziert. Weitere Taten sollen am 15. Januar und am 18. Januar gewesen sein. Obwohl die anderen Täter von der Verhaftung ihres Komplizen wussten, gibt es Hinweise, dass es nur einen Tag nach der ersten Festnahme zu einer weiteren Vergewaltigung kam.

Warum wurde die Bevölkerung nicht früher gewarnt?

"Wir haben nicht damit gerechnet, dass es schon so bald nach der Festnahme zu einer weiteren Tat kommt", sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk auf der Pressekonferenz. Aus Gründen des Opferschutzes sei man sehr zurückhaltend mit der Berichterstattung über Sexualdelikte, erklärte sie weiter. Auch bei einer vagen Formulierung einer Warnung wären Fragen von der Presse gekommen, die fairerweise hätten beantwortet werden müssen.

Wer sind die Täter?

Die mutmaßlichen Täter kommen aus Gelsenkirchen und besitzen alle einen deutschen Pass. Drei Verdächtige im Alter von 19 bis 23 Jahren sitzen bereits in Untersuchungshaft. Ermittelt wird auch gegen einen 16-Jährigen, der wegen seines Alters aber nicht in Untersuchungshaft sitzt. Ein weiterer Verdächtiger stellte sich am Donnerstagabend in Begleitung seines Anwalts. Sein Mandant habe sich freiwillig gestellt, wird der Anwalt in der "Bild"-Zeitung zitiert. "Er ist offenbar mehr Opfer als Täter."

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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