Panorama
Aus Platzgründen findet der Loveparade-Prozess im Düsseldorfer Kongresszentrum statt.
Aus Platzgründen findet der Loveparade-Prozess im Düsseldorfer Kongresszentrum statt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 20. Dezember 2017

Loveparade-Prozess in Duisburg: Verteidiger beantragen Prozess-Abbruch

Der Prozess um die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade wird von den Verteidigern mit einer Flut von Anträgen dominiert. Nun wollen sie, dass der Prozess ganz eingestellt wird - die Anklage sei zu unbestimmt. Die Nebenkläger sehen darin eine Verzögerungstaktik.

Knapp zwei Wochen nach Beginn des Loveparade-Prozesses in Düsseldorf haben mehrere Verteidiger die Einstellung des spektakulären Verfahrens beantragt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft sei zu unbestimmt, sagte ein Verteidiger. Es werde nicht klar, was seinem Mandanten zur Last gelegt wird. Andere Verteidiger schlossen sich dem Antrag an. Zuvor hatte einige Vertreter von Angeklagten die Aussetzung des Prozesses beantragt. Es müssten unter anderem zuerst 33 Aktenordner zur Loveparade aus dem NRW-Innenministerium hinzugezogen werden.

Der Prozess vor dem Duisburger Landgericht findet aus Platzgründen im Kongresszentrum der Düsseldorfer Messe statt. Beim Loveparade-Unglück am 24. Juli 2010 waren im dichten Gedränge mehrerer Zehntausend Menschen am einzigen Zu- und Abgang 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden.

Den zehn Angeklagten wird in dem Verfahren fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft. Die Anklage wirft ihnen schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung des Techno-Spektakels geführt hätten. Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt, die Einhaltung nicht kontrolliert worden.

"Prozessökonomische" Startschwierigkeiten

"Wir sind nicht soweit, wir sind nicht vorbereitet und das ist schlecht", meinte ein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft enthalte dem Gericht offenbar Informationen vor, sagte ein anderer Anwalt. Die Verteidiger bestritten mehrfach den von Nebenklägern erhobenen Vorwurf, eine Verzögerungstaktik zu betreiben. Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

Zuvor hatte das Duisburger Landgericht die Kritik der Verteidiger an der Auswahl der Strafkammer zurückgewiesen. Eine mehr als 70 Seiten starke sogenannte Besetzungsrüge der Anwälte hatte keinen Erfolg, wie der Vorsitzende Richter Mario Plein bekanntgab. Eine nähere Begründung gab das Gericht nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage die Zahl der mindestens 652 Verletzten aus prozessökonomischen Gründen auf 18 Fälle beschränkt. Das Gericht befand aber, dass auch sämtliche Verletzungen der Nebenkläger Teil der Anklage sind. Das Landgericht hatte dann beim Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung die Zahl der Fälle von 18 auf 33 beziehungsweise 50 Fälle ausgeweitet.

Quelle: n-tv.de