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Am 11. Januar wieder geöffnet? Viele Einzelhändler wollen Lockdown ignorieren

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Bis hierhin und nicht weiter: Ab dem 11. Januar wollen viele Einzelhändler wieder öffnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Lockdown gilt noch mindestens bis Ende Januar. So lange müssen auch Läden und Geschäfte geschlossen bleiben. Viele Einzelhändler wollen das anscheinend nicht akzeptieren. Der Handelsverband Bayern sieht in der Aktion einen "Hilfeschrei".

Tausende Einzelhändler wollen sich womöglich dem geltenden Corona-Lockdown widersetzen und ihre Geschäfte trotz Verbot bald wieder öffnen. In der Telegram-Gruppe "Wir machen auf - Kein Lockdown mehr" machen viele Gewerbetreibende ihrem Unmut über die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern und den ihrer Meinung nach zu geringen Corona-Hilfen Luft und kündigen an, in ihren Läden ab 11. Januar wieder Kunden empfangen zu wollen. Dann enden nach derzeitigem Stand (Dienstag, 16 Uhr) die aktuellen Corona-Maßnahmen, und der Einzelhandel dürfte wieder regulär öffnen. Nach Informationen von ntv werden Bund und Länder den Lockdown aber noch bei ihrer heutigen Sitzung bis mindestens Ende Januar verlängern und die Maßnahmen aufgrund der anhaltend hohen Todeszahlen sogar verschärfen.

Der Nachrichtendienst Telegram ist vor allem bei Querdenkern und Verschwörungstheoretikern wie Attila Hildmann oder Michael Wendler beliebt. Der Gruppe "Wir machen auf - Kein Lockdown mehr" sind derzeit mehr als 53.000 Menschen beigetreten. Sie teilen dort Informationen aus oder Entwürfe für Plakate und Flyer, die sie in ihre Schaufenster stellen wollen. Auch rechtliche Beratung durch zwei bekannte Rechtsanwälte der Querdenker-Bewegung wird vermittelt.

Mit coronapedia.de haben die Betreiber der Gruppe auch eine Webseite eingerichtet, auf der sich Interessierte über ihre Pläne austauschen können. Im Forum wird unter anderem gefragt, ob es "Flyer oder PDF-Files gibt, die man per E-Mail eventuell an Friseure versenden" könne. In einer anderen Diskussion wird dazu aufgerufen, sich von rechtlichen Bedenken nicht stoppen zu lassen. "Es ist sicher gut, zu versuchen sich rechtlich abzusichern, aber es wird wohl keine absolute Rechtssicherheit geben", schreibt ein Mitglied. "Die Rechtslage sollte und darf kein Grund sein, bei dieser Aktion nicht mitzumachen." Bei Verstößen gegen die Corona-Verordnung drohen Bußgelder von mehreren Tausend Euro.

"Kein Corona-Leugner und kein Querdenker"

Laut Impressum wird die coronapedia.de von Macit Uzbay aus Krefeld betrieben. Auf der Seite ist auch eine Übersicht zu finden, welche Geschäfte bisher angekündigt haben, am 11. Januar tatsächlich zu öffnen. Bisher hat sich erst ein Kosmetikgeschäft angemeldet, ebenfalls aus Krefeld. Die Listen für Restaurants, Bars, Fitnessstudios, Kinos oder andere Geschäfte sind leer.

Um die Aktion zu unterstützen, wollte auch der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl am kommenden Montag zumindest zwei seiner fünf Intersport-Läden wieder öffnen. "Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker", sagte er im Gespräch mit ntv. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und vom Staat seit März gerade einmal 15.000 Euro Hilfe bekommen.

Wenig später machte Siebzehnrübl einen Rückzieher. Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecke ausgenutzt, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht." Er trete von seiner Ankündigung wieder zurück.

"Hilfeschrei" der Einzelhändler

Der Handelsverband Bayern sieht in der Aktion vor allem einen "Hilfeschrei", der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel "am ausgestreckten Arm verhungern", sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann der Deutschen Presse-Agentur. "Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen."

Die Bremer Gastro-Gemeinschaft (BGG) distanziert sich dagegen von der Idee, einen Betrieb ohne ein Ende des Lockdowns öffnen zu wollen. "Eine Mitgliedschaft in der BGG und die Unterstützung von 'Wir machen auf' schließt sich aus", sagt Geschäftsführer Thorsten Lieder im "Weser Kurier". Diese Kampagne widerspreche dem Anspruch, "unseren Gästen eine maximale Sicherheit in unseren Betrieben zu gewährleisten". Wer diese Querdenker-Idee unterstütze, könne nicht zugleich Mitglied der BGG sein.

Quelle: ntv.de, chr/dpa