Panorama

Weitere Festnahme in Stuttgart Viele Verdächtige bereits vorbestraft

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Aufräumarbeiten nach der Randale in der Stuttgarter Innenstadt.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Nach der Stuttgarter Krawallnacht zieht der Landtag eine erste Bilanz. 25 Verdächtige sind inzwischen festgenommen worden, 15 sind der Polizei schon zuvor unangenehm aufgefallen. Die Auswertung der Gewalt-Videos läuft auf Hochtouren und die Stuttgarter Polizei schickt eine gefühlvolle Botschaft.

Nach den Krawallen in Stuttgart vom Wochenende haben die Ermittler einen weiteren Tatverdächtigen ermittelt. Insgesamt seien damit nun 25 Menschen festgenommen worden, darunter zwei Frauen, teilte der baden-württembergische Landtag in Stuttgart mit. Der Innenausschuss traf sich zu einer nicht-öffentlichen Sondersitzung, bei der Innenminister Thomas Strobl die Abgeordneten über die derzeitigen Ermittlungsergebnisse informierte.

Dem CDU-Minister zufolge wurde die Ermittlungsgruppe "Eckensee" von 40 auf 70 Beamte aufgestockt. Nach Angaben des Vorsitzenden des Innenausschusses, Karl Klein, ebenfalls von der CDU, sind die zusätzlichen Ermittler nötig, um die Vielzahl an Fotos und Videos von den Ausschreitungen auszuwerten. Die Menge des zu sichtenden Materials bewege sich inzwischen im Gigabytebereich. Ziel sei, weitere Tatverdächtige zu ermitteln und festzunehmen.

Landfriedensbruch, versuchter Totschlag

Die bereits Festgenommenen seien zwischen 14 und 33 Jahre alt. Sieben davon seien Jugendliche, acht weitere Heranwachsende. 15 Menschen hätten ihren Wohnsitz in Stuttgart, fünf weitere in Baden-Württemberg. Je ein Verdächtiger komme aus Bayern und Niedersachsen, drei Menschen hätten keinen festen Wohnsitz. Neun der Festgenommenen weisen einen Flüchtlingsbezug auf. Zwölf Beschuldigte sind Deutsche, die weiteren Verdächtigen haben die afghanische, irakische, somalische, polnische, kroatische, portugiesische, vermutlich lettische und bosnisch-herzegowinische Staatsangehörigkeit.

Die Ermittler werfen ihnen unter anderem Landfriedensbruch im besonders schweren Fall, Angriff auf Vollstreckungsbeamte, gefährliche Körperverletzung und versuchten Totschlag vor. 15 Tatverdächtige seien polizeilich bereits bekannt und schon vor den Vorfällen zwischen einem und 24 Mal zur Anzeige gebracht worden. 37 Ladengeschäfte wurden am Wochenende beschädigt und mindestens neun geplündert. Teilweise wurden Passanten, die sich den Ausschreitungen in den Weg stellten, verletzt. Ebenfalls verletzt wurden 23 Polizisten, zwei mussten stationär behandelt werden. 18 Polizeifahrzeuge wurden laut Klein beschädigt.

Für die kommenden Wochenenden kündigte Strobl eine höhere Polizeipräsenz an. Bis zur vollständigen Umsetzung eines Konzepts für mehr Sicherheit in der Stuttgarter Innenstadt werde das Polizeipräsidium in den Nächten der kommenden Wochenenden mit "einer guten dreistelligen Anzahl" an Beamten im Einsatz sein, erklärte Klein. Daneben sei ein ganzes Bündel an Maßnahmen wie Aufenthaltsverbote, Videoüberwachung oder Alkoholverbote nötig.

Stuttgarter Polizei: "Wir sind Menschen mit Herz und Verstand"

"Stuttgart erlebte am vergangenen Wochenende einen Gewaltexzess in noch nie dagewesener Form - wir verurteilen diese Gewalttaten aufs Schärfste", erklärte Klein. Solchen Angriffen müsse mit allen rechtsstaatlichen Mitteln begegnet werden. Alle Mitglieder des Ausschusses waren sich laut Klein einig, dass sich solche Szenen nicht wiederholen dürfen. Klein zufolge wurden im Innenausschuss nicht alle Fragen beantwortet. In seiner nächsten Sitzung am 8. Juli will sich der Ausschuss erneut mit den Ausschreitungen beschäftigen.

Die Stuttgarter Polizei hat sich derweil mit emotionalen Worten für den Zuspruch nach dem Einsatz in der Randale-Nacht bedankt. Beamte in Uniform seien zwar die Vertreter des Staates. "Wir sind aber ebenso selbstverständlich auch Menschen mit Herz und Verstand, wir haben Familie und wollen am Abend, wie jeder andere in unserer Gesellschaft, wieder heil zu Hause ankommen", heißt es in einer Stellungnahme der Polizisten. Körperschutzausstattung und Helme verdeckten bei Einsätzen immer häufiger die Gesichter und das "offene Visier" der Polizei.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa