Panorama

Helikopter von Bryant abgestürzt "Vieles spricht für einen Pilotenfehler"

Neun Menschen sterben, als ein Hubschrauber in der Nähe von Los Angeles abstürzt. Unter den Todesopfern sind NBA-Legende Kobe Bryant und dessen Tochter. Die Nachricht löst weltweit Bestürzung aus. Viele stellen sich die Frage: Wie konnte das passieren? Es gibt erste Indizien.

Es ist 9.47 Uhr, Sonntagmorgen, als bei der Polizei in Los Angeles County ein Notruf eingeht. Ein Helikopter ist an einem Hang in der kalifornischen Stadt Calabasas zerschellt. Dicke Rauchwolken steigen aus dem brennenden Wrack auf. Bäume und Sträucher im Umfeld der Absturzstelle geraten in Brand. Rettungskräften gelingt es nur mit großer Mühe, zu dem Helikopter vorzudringen. Die Sicht ist schlecht. Nebel hat sich in der Region festgesetzt, die Wolken hängen tief. Erst am Nachmittag erlauben die örtlichen Behörden ihren eigenen Hubschraubern zu starten.

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Stunden später versetzt eine Eilmeldung Menschen weltweit in Aufruhr: Unter den insgesamt neun Todesopfern des Crashs sind der frühere NBA-Superstar Kobe Bryant und dessen 13-jährige Tochter Gianna. Nach und nach kommt heraus, dass sie zusammen mit einer anderen Familie sowie einer Assistenztrainerin auf dem Weg zu einem Spiel des Basketball-Teams von Gianna waren. Es sollte in der von dem 41-Jährigen gegründeten "Mamba Sports Academy" in Thousand Oaks stattfinden. Bei Terminen wie diesem griff Bryant gerne auf seine Maschine zurück: eine Sikorsky S-76B, Baujahr 1991.

An diesem Morgen brachen die acht Passagiere und der Pilot um kurz nach 9 Uhr am John Wayne Airport südöstlich von Los Angeles auf, berichten US-Medien. Was bei dem gut 30-minütigen Flug anschließend geschah, wird nun unter anderem vom FBI und nationalen Luftfahrtbehörden untersucht. Auch der Hubschrauber-Hersteller Sikorksy bot via Twitter seine Hilfe bei der Aufklärung an.

Doch schon jetzt sehen Experten in den schlechten Witterungsbedingungen eine womöglich entscheidende Ursache für den Absturz. "Das Wetter war zum Zeitpunkt des Unglückes schlecht", schildert Moderator und Helikopterpilot Marcel Wagner ntv.de. Außerdem lasse der geringe Unterschied zwischen Taupunkt und Temperatur zum Zeitpunkt des Unglückes auf Nebel schließen.

Räumliche Desorientierung endet meistens tödlich

"Auch die Radardaten sprechen diese Sprache", so Wagner. "Immerhin ist der Hubschrauber, womöglich um nach unten aus dem Nebel zu entkommen, unmittelbar vor dem Absturz gesunken. Zudem zeigen die Daten: Der Pilot muss versucht haben, umzukehren. Immerhin lag das Ziel des Fluges nordwestlich von der Absturzstelle, der Hubschrauber war aber in einer Kurve, um das Gebiet Richtung Südosten zu verlassen." Hätte sich der Pilot dazu entschieden, weiter in Richtung des Zieles zu fliegen, wäre der Abstand zwischen Wolken und Boden immer kleiner geworden, da das Gelände an dieser Stelle ansteige.

Auf Youtube ist zudem der Funkverkehr des Fluges aufgetaucht. "Danach meldet der Fluglotse eine geschlossene Wolken-/Nebeldecke in einer Höhe von 1100 Fuß, das sind etwas über 300 Meter", erklärt Wagner. "Der Pilot gibt an, in 1200 und 1400 Fuß zu fliegen." Später sinke der Hubschrauber und der Tower mache den Piloten darauf aufmerksam, dass er für das Gebiet, in dem er fliegt, zu tief unterwegs ist. "Darauf bekommt der Lotse aber bereits keine Antwort mehr vom Piloten, kurz danach verschwindet die Maschine vom Radar", schildert Wagner, der den protokollierten Funkverkehr als echt einschätzt.

"Die Problematik des Einflugs in Nebel bei einem Sichtflug besteht in der räumlichen Desorientierung", erklärt Wagner weiter. "Danach fehlt dem Piloten der Blick auf den natürlichen Horizont, weswegen der Gleichgewichtssinn im Innenohr Fehler meldet." Die Folge: "Es ist enorm schwierig, ein Gefühl für die Lage des Hubschraubers sowie des Geländes zu haben. Die eigene Position sowie die Bewegung werden falsch wahrgenommen." Unfälle durch räumliche Desorientierung seien zwar selten, endeten aber meistens tödlich.

Neben den wahrgenommenen Witterungsbedingungen und Wetterdaten spreche auch die Unglücksstelle für die Theorie eines menschlichen Fehlers. "Die Trümmerteile sind weit verstreut. Der Hubschrauber muss also mit großer Energie seitlich in den Berg geflogen sein", sagt Wagner. "Die Radardaten sprechen von einer Geschwindigkeit von mehr als 150 Knoten, also rund 280 Stundenkilometern." Hätte ein technisches Versagen vorgelegen - also beispielsweise ein Triebwerksausfall - wäre der Helikopter eher von oben auf den Berg geflogen, die Trümmerteile lägen somit dichter beieinander.

Untersuchung wird viel Zeit in Anspruch nehmen

"Zudem sind Triebwerksausfälle enorm unwahrscheinlich: Die S-76 des amerikanischen Herstellers Sikorsky verfügt über zwei Triebwerke, also über ein redundantes System. Beide Triebwerke fallen zeitgleich wohl nur dann aus, wenn der Treibstoff leer ist. Dann wiederum hätte es aber kein Feuer geben können", erklärt Wagner. "Vieles spricht für einen kontrollierten Einflug ins Gelände. Darunter verstehen wir Piloten, dass das Luftfahrzeug steuerbar gewesen ist." Auch im veröffentlichten Funkverkehr gebe es keinen Hinweis auf einen technischen Defekt.

Und auch die Auslastung des Helikopters sei mit insgesamt neun Personen im Rahmen gewesen. "Der Hubschrauber kann, je nach Ausstattung, bis zu 12 Personen transportieren und hat dafür bei der Außentemperatur, die zum Zeitpunkt des Unglückes an der Unfallstelle herrschte, genügend Leistung", so Wagner. Sein Fazit: "Vieles spricht, auch wenn die Untersuchung abgewartet werden muss, für einen wetterbedingten Absturz, also einen Pilotenfehler."

Mit einem schnellen Ergebnis der Analyse der Unfallursache wird bislang nicht gerechnet. "Das ist ein umfangreicher Prozess", sagte der Sheriff von LA County, Alex Villanueva, am Sonntagabend. "Es ist ein logistischer Albtraum, weil die Absturzstelle nicht leicht zugänglich ist." Die Ungewissheit, warum Kobe Bryant und acht weitere Menschen sterben mussten, wird die Sportwelt sowie Angehörige und Freunde noch eine Weile begleiten.

Quelle: ntv.de