Panorama

Trotz Hunderter Mutanten Virologe: "Covid wird zu einer Krankheit unter vielen"

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"Das Virus wird im Laufe der Zeit ansteckender. Zugleich nimmt seine krankmachende Wirkung ab", sagt Alexander Kekulé, Virologe an der Universität Halle (Saale).

(Foto: imago images/Klaus W. Schmidt)

Hunderte Varianten des Coronavirus gibt es bereits, weitere werden folgen, sagt der Virologe Alexander Kekulé. Dennoch machen die Mutanten ihm keine Sorgen. Auch nicht die vierte Welle, die er für den Herbst prognostiziert.

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé rechnet damit, dass in den kommenden Monaten noch sehr viele weitere Variationen des Coronavirus auftreten werden. Zugleich warnt er vor übertriebener Sorge vor den Mutanten.

Die Mutanten, die wir jetzt sehen, seien nur "die Spitze eines riesigen Eisbergs", sagte Kekulé ntv.de. Derzeit gebe es vermutlich bereits Hunderte Varianten des Virus. Nicht alle seien aber gefährlich. Diesen Status hätten bislang nur die zuerst in Großbritannien (B.1.1.7), Südafrika (B.1.351) und Brasilien (P.1) entdeckten Varianten. "Eine vierte, die indische B.1.617, wird wohl in Kürze diesen Status "Variant of Concern" (Besorgniserregende Varianten, Anm.d.Red.) bekommen", sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle.

Die Mutationen des Coronavirus verliefen aber nicht zufällig, betont Kekulé. Das Virus sei vielmehr bestrebt, sich zu optimieren, "um sich an seinen neuen Wirt anzupassen". Dies passiere nicht Schritt für Schritt, sondern an vielen Orten der Erde gleichzeitig. "Wir beobachten gerade, wie unabhängig voneinander in verschiedenen Ländern sehr ähnliche Varianten entstehen, die fast identische Mutationen haben." Diese Varianten des Coronavirus hätten deshalb ähnliche Mutationen, "weil sie damit den Menschen besser infizieren und sein Immunsystem austricksen können".

Die Veränderung des Erregers sei aber vorhersehbar gewesen, so Kekulé. "Das Virus wird im Laufe der Zeit ansteckender. Zugleich nimmt seine krankmachende Wirkung ab, was zum Teil auch daran liegt, dass unser Immunsystem dazulernt." Der menschliche Körper werde immer bessere Strategien entwickeln, wie er mit Covid-19 umzugehen hat. "So wird sich auch Covid irgendwann zu einer Infektionskrankheit unter vielen entwickeln. Wir werden dann keinen Grund mehr haben, das neue Virus mit allen Mitteln zu bekämpfen. Das ist dann gut für uns, aber auch gut für das Virus."

Vierte Welle im Herbst

Insgesamt sieht Kekulé das Ende der Pandemie kommen. "Wir sind an dem Punkt, wo das Ende des Tunnels in Sicht ist und wo wir mit ein bisschen Disziplin und deutscher Gründlichkeit in der Lage sind, uns bis zum Sommer, wenn's wieder wärmer wird und die Fallzahlen runtergehen, irgendwie durchzuhangeln", glaubt der Virologe. Die Sterblichkeit werde mit Sicherheit in den nächsten Wochen und Monaten deutlich zurückgehen und auch die Zahl schwerer Krankheitsverläufe werde abnehmen. Natürlich werde auch Deutschland durch die Mutanten weitere Infektionen sehen, so Kekulé. "Es wird auch eine Herbst-Welle geben, hoffentlich nur eine kleine. Aber vor dem Hintergrund einer Bevölkerung, die zum großen Teil geimpft ist."

Quelle: ntv.de, tar

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