Panorama

"Dramatische Linguistik" Virologe Stöhr warnt vor Panikmache bei Omikron

In Deutschland baut sich bereits die Omikron-Welle auf. Doch wie verheerend wird sie? Virologe Klaus Stöhr mahnt, die Entwicklungen nicht zu dramatisieren. Ein Blick ins Ausland zeige, dass die neue Corona-Variante zwar ansteckender, aber deutlich milder sei als ihre Vorgänger.

Angesichts der drohenden Omikron-Welle hat Virologe Klaus Stöhr vor Panikmache gewarnt. Er könne nicht ganz nachvollziehen, woher die teilweise dramatische "Linguistik" komme, mit der in Deutschland die Ausbreitung der neuen Corona-Variante beschrieben werde, sagt Stöhr dem NDR. Daten aus Südafrika und eine belastbare Studie aus England hätten gezeigt, dass Omikron zwar eine höhere Infektiosität, aber zugleich deutlich mildere Krankheitsverläufe mit sich bringe.

"Das Virus hat sich jetzt angepasst. Dadurch dass die oberen Atemwege betroffen sind - also Nase und Rachen, nicht die Lunge - wird der Erkrankungsverlauf milder", erklärt der Wissenschaftler. Zudem verkürze sich die Inkubationszeit. Das seien deutliche Zeichen für eine Anpassung an den Menschen. "Und die Realität ist dann in den Krankenhäusern zu sehen", sagt Stöhr dem Sender. "Es gibt eine Reduktion der Hospitalisierungsrate, sowohl in Südafrika als auch in England." Wer in diesen Ländern mit Omikron erkrankte, hätte ein um 20 bis 25 Prozent geringeres Risiko, ins Krankenhaus zu kommen.

Auch in Deutschland werde es vermutlich demnächst zu einer starken Zunahme der Fälle durch Omikron kommen, sagt Stöhr weiter. Die Beispiele England und Dänemark zeigten, dass dort die Inzidenz um ein Vielfaches höher liege als derzeit in der Bundesrepublik. "Gleichzeitig liegen auf Intensivstationen in beiden Ländern nur ein Viertel so viele Fälle pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland." Dem Virologen zufolge messe man "mit unterschiedlichen Risikothermometern, wie hoch die Omikron-Temperatur ist".

Nach Silvester werde es sicherlich in einigen Berufsgruppen zu stärkeren Ausfällen kommen. "Aber: Die Belegungen auf den Intensivstationen und auch die Todesfallrate wird sich davon abkoppeln", sagt Stöhr. Somit müsse man die Quarantäne überdenken und prüfen, ob die Kontaktnachverfolgung angesichts sehr hoher Fallzahlen noch sinnvoll sei. "All das muss jetzt überlegt werden, damit man dann im Januar oder Februar die richtigen Entscheidungen fällen kann."

Quelle: ntv.de, hny

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