Panorama

Deutschland vor "Corona-Welle" Virologe hofft nicht mehr auf Frühlingseffekt

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"Die Situation ist absolut ernst": RKI-Direktor Wieler, Virologe Drosten und Gesundheitsminister Spahn bereiten die Deutschen auf die große Virus-Welle vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei Grippewellen bringt der Frühling automatisch eine Besserung. Neue Studien aus den USA rechnen allerdings beim Coronavirus nicht mit diesem Effekt. Deshalb bereiten das Robert-Koch-Institut und Gesundheitsminister Spahn die Deutschen auf eine Entwicklung mit Toten vor.

Der Berliner Virologe Christian Drosten hat Hoffnungen auf eine saisonale Abschwächung der Corona-Epidemie gedämpft. Neue epidemologische Studien in den USA deuten laut Drosten darauf hin, dass es bei dieser Virenart keinen Rückgang im Frühling und Sommer geben werde, sagte der Direktor am Institut für Virologie der Charité auf einer Pressekonferenz in Berlin. "Wir müssen damit rechnen, direkt in eine Virus-Welle zu laufen. Es wird nicht von selbst zum Stillstand kommen", sagte Drosten weiter und resümierte: "Die Situation ist absolut ernst und wir haben nicht viel Zeit, uns darauf vorzubereiten." Selbst wenn man in Deutschland den Eindruck habe, es sei nicht so schlimm wie in anderen Ländern. "Auch bei uns wird sich das ändern, wir sind keine Ausnahme."

Deutschland muss sich nach Einschätzung des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, auf Corona-Tote einstellen. Das RKI dringt deshalb auf schnelle Vorkehrungen gegen eine starke Zunahme von Infizierten mit dem neuen Coronavirus. "Das ist eine ernste Lage und diese Lage könnte sich weiter zuspitzen", sagte RKI-Präsident Wieler. Es sei sicher, dass die Fallzahlen zunehmen werden. "Auch in Deutschland selbst wird es Todesfälle durch Covid-19 geben." Um eine schnelle Ausbreitung zu verhindern, müssten die zuständigen Behörden vor Ort auch über den Umgang mit Großveranstaltungen und mögliche zeitweise Schließungen öffentlicher Einrichtungen entscheiden - "und zwar schon, bevor es massenhaft Fälle in einer Gegend gibt." Wieler betonte, Arztpraxen, Kliniken oder Altenheime müssten jetzt mit Covid-19-Patienten umgehen können. "Die Vorbereitungen müssen jetzt abgeschlossen sein." Alle müssten sich auf eine große Zahl an Patienten einstellen und auch auf Patienten, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssten.

Spahn: "Alle Bürger müssen mitwirken"

*Datenschutz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rief alle Bürger dringend dazu auf, daran mitzuwirken, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Ziel müsse es sein, "die Dynamik zu verlangsamen", sagte der CDU-Politiker. "Wir müssen den Ausbruch verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem weiter funktionieren kann", betonte er. "Dazu brauchen wir die gesamte Gesellschaft. Wir brauchen jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin." Es gehe um die gleichen Verhaltensweisen wie bei einer Erkältung oder Grippe. "Alles genauso machen, als würde man sich im Alltag vor Erkältung oder Grippe schützen wollen", sagte Spahn. Jeder solle jetzt zudem abschätzen und entscheiden, worauf er leichter und worauf er schwerer verzichten könne.

Weltweit haben sich inzwischen weit mehr als 100.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch wesentlich höher. In Deutschland stieg die Zahl der nachgewiesenen Infektionen auf 1112. Das geht aus der Auflistung des RKI vom Morgen hervor. Es gibt weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung Covid-19. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die binnen weniger Tage verschwindet, oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, betroffen sind vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. In dem am schwersten betroffenen Bundesland NRW sind zwei Menschen im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/DJ