Panorama

Politisch brisante Mission WHO-Team trifft in Wuhan ein

Hier nahm alles - dem Anschein nach - seinen Anfang. In der chinesischen Metropole Wuhan tritt Ende 2019 eine mysteriöse Lungenkrankheit auf, die später auf Sars-CoV-2 zurückgeführt wird. Hier will die WHO überprüfen, wie es dazu kommen konnte, dass das Virus auf den Menschen übersprang.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist in der chinesischen Stadt Wuhan angekommen. Dort sollen die Ursprünge für das Coronavirus untersucht werden, das die weltweite Pandemie ausgelöst hat, wie das staatliche Fernsehen berichtet. Das Team kam am späten Vormittag (Ortszeit) an.

Zwei Experten des internationalen Teams wurde die Einreise verweigert, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Chinesische Beamte verhinderten beim Transit in Singapur, dass zwei Wissenschaftler an Bord des Flugzeugs nach Wuhan gingen. Ihr Gesundheitstest vor dem Abflug habe Covid-19-Antikörper gezeigt, was auf eine vorausgegangene Infektion hindeutet. Der Corona-Test sei hingegen negativ gewesen, berichtete das Blatt unter Hinweis auf informierte Personen. Chinas Außenamtssprecher Zhao Lijian wollte den Vorfall in Peking nicht direkt bestätigen. Nach Fragen von Journalisten betonte er aber, dass die Vorschriften gegen die Pandemie "streng befolgt" werden.

Ursprünglich war der Beginn der Mission bereits für vergangene Woche geplant gewesen. Fehlende Genehmigungen von chinesischer Seite verzögerten den Start jedoch. Die zehn WHO-Experten, darunter Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut in Berlin, müssen sich wegen der strikten chinesischen Einreisebestimmungen zunächst für zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Die Vereinigten Staaten haben China vorgeworfen, das Ausmaß des ersten Ausbruchs vor rund einem Jahr verheimlicht zu haben. Sie fordern daher eine transparente Untersuchung. Kritisiert wird, dass chinesische Experten die erste Phase der Untersuchung durchgeführt haben. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Gheybreyesus hatte sich zudem "sehr enttäuscht" gezeigt, dass China die Einreise des Teams für die lang erwartete Mission verzögert hatte.

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Mitglieder des WHO-Teams haben im Vorfeld der Reise aber schon die Erwartungen heruntergeschraubt. Es gehe vor allem darum, im Austausch mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten, hieß es. Die erste Reise diene auch nur dazu, in einer ersten Phase zu schauen, was schon alles an Forschung laufe und an Daten vorliege, um dann einen Plan für die zweite Phase zu machen.

Politisch brisante Suche

Geleitet wird die WHO-Delegation von Peter Ben Embarek, einem Experten für Tierkrankheiten, die auf andere Spezies übergehen. Der vietnamesische Biologe Hung Nguyen gehört ebenfalls zu dem zehnköpfigen Team. Er sagte im Vorfeld, er erwarte keine Einschränkungen für die Arbeit der Gruppe in China. Nach der Quarantäne werde das Team zwei Wochen lang Menschen aus Forschungsinstituten, Krankenhäusern und dem Fischmarkt in Wuhan befragen, wo der neue Erreger vermutlich erstmals aufgetaucht ist, fügte Hung hinzu.

Die Suche nach dem Ursprung des Virus gilt als politisch brisant. China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden. Seit Monaten streuen chinesische Behörden daher Zweifel, ob das Virus überhaupt aus China stammt. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, dass es mögliche Infektionen schon vorher in anderen Ländern gegeben haben könnte. So müssten WHO-Experten auch in andere Länder reisen, teilte ein Außenamtssprecher mit.

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Chinas Propaganda verbreitet auch die These, dass das Virus über gefrorene Lebensmittel nach China eingeschleppt worden sein könnte. Es wird auf heutige Virusspuren auf importierten Tiefkühlwaren verwiesen. Doch ist unter Wissenschaftlern strittig, ob diese Spuren für eine Infektion ausreichen. Ausländische Forscher verdächtigen hingegen weiter Fledermäuse aus Südchina, die auch von chinesischen Behörden lange als möglicher Ursprung genannt worden waren.

In China ist unterdessen die Zahl der Corona-Neuinfektionen so stark gestiegen wie seit über zehn Monaten nicht mehr. Binnen 24 Stunden wurden 138 neue Covid-19-Fälle bekannt, wie die Gesundheitsbehörde in Peking mitteilte. Tags zuvor waren es noch 115. Die Zahl der Todesfälle legte um einen auf 4635 zu und damit erstmals seit Mai 2020. Die Behörden haben im Januar mehr als 28 Millionen Menschen unter häusliche Quarantäne gestellt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa