Panorama

Datenlage noch zu dünn WHO gibt keine Empfehlung für "Kreuzimpfung"

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Bereits 2,2 Millionen Bürger unter 60 haben laut Gesundheitsminister Spahn eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Astrazeneca soll Menschen unter 60 Jahren nicht mehr gespritzt werden. Doch was, wenn sie ihre Erstimpfung damit schon erhalten haben? Die Ständige Impfkommission hält die erforderliche Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff für unbedenklich. Die WHO sieht das jedoch anders.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht keine Empfehlung für sogenannte Kreuzimpfungen gegen das Coronavirus aus. Es lägen noch keine ausreichenden Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris. Sie bezog sich bei ihren Aussagen auf eine vorläufige Empfehlung eines WHO-Expertengremiums von Februar. Demnach solle vorläufig das gleiche Produkt für beide Teilimpfungen gespritzt werden. Die Experten forderten weitergehende Forschungen, um die Mischung von Vakzinen zu überprüfen.

In Deutschland gibt es einen gewissen Druck, genau solche Kreuzimpfungen vorzunehmen. Der Grund: Seit Kurzem bekommen Menschen unter 60 den Astrazeneca-Impfstoff wegen Thrombose-Gefahr nicht mehr gespritzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zufolge haben aber bereits 2,2 Millionen Bürger unter 60 eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten. Die Frage ist nun, wie diese Menschen ihren vollen Impfschutz bekommen, für den eine zweite Dosis nötig ist.

"Ohne ausreichende Daten über mögliche Risiken darf es keine Zweitimpfung mit anderen Impfstoffen geben", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Die Ständige Impfkommission (STIKO) jedoch empfiehlt, dass die Betroffenen nun nach zwölf Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna bekommen. Allerdings ist eine Entscheidung dazu noch nicht gefallen. Die Gesundheitsminister der Länder wollen zunächst noch offene Fragen diskutieren.

Der Vorsitzende Thomas Mertens hatte gegenüber ntv gesagt: "Wir sind alle in der STIKO absolut überzeugt, dass es kein Sicherheitsrisiko darstellt." Bei einer Kreuzimpfung komme es nicht zur Konkurrenz zwischen zwei Impfstoffen im menschlichen Körper. Die Impfstoffe seien nach etwa zehn Tagen abgebaut.

"Das Einzige, was wir derzeit nicht sicher beantworten können, ist, ob die Immunantwort bei diesem Vorgehen genauso ausfällt, wie wenn man zweimal mit dem gleichen Impfstoff impft", räumte Mertens ein. Dazu erwarte die STIKO erste Studienergebnisse Mitte Mai. Für den Fall, dass die Wirkung geringer ausfalle, gebe es Lösungen. "Man würde dann unter Umständen die nächste Impfung mit dem mRNA-Impfstoff vorziehen und hätte dann wieder die Möglichkeit, die erwünschte Immunreaktion zu erreichen", so Mertens weiter.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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