Panorama

Woidke: Lageverschärfung möglich Hunderte Brandenburger evakuiert - Großeinsatz wegen Waldbränden

Vor den südlichen Toren Berlins brennen infolge der Trockenheit und immer wieder angefacht durch Winde mehrere Wälder. Die Behörden ordnen die Räumung mehrerer kleiner Ortschaften an. Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr kämpfen gegen die Flammen.

In Brandenburg kämpfen Hunderte Einsatzkräfte gegen sich weiter ausbreitende Waldbrände. Betroffen sind Areale um Treuenbrietzen sowie Beelitz-Heilstätten im Landkreis Potsdam Mittelmark südlich von Berlin. Die Kleinstadt Treuenbrietzen hat bereits mehrere Ortsteile evakuiert. Betroffen waren allein dort rund 600 Menschen. Ein Krankenhaus verhängte einen Besucherstopp und bereitet sich auf eine Evakuierung vor. Auch Beelitz, wo derzeit die Landesgartenschau stattfindet, meldete am Abend die Evakuierung erster Straßenzüge. Später sprach Rathauschef Bernhard Knuth davon, dass der Brand unter Kontrolle sei. Er glaube nicht, dass das Feuer auf das Stadtgebiet übergreife.

Der Brand war am Nachmittag ausgebrochen. Bei Beelitz-Heilstätten seien Baumwipfel in Brand geraten, sagte die Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Andrea Metzler. Nach Angaben von Bürgermeister Bernhard Knuth wurden im Rathaus ein Krisenstab eingerichtet und Einwohnerlisten zusammengestellt. Auf der Landesgartenschau sind alle Veranstaltungen abgesagt worden. "Wir hoffen, dass es am Abend wie angekündigt regnet", sagte Knuth.

Die Kleinstadt Treuenbrietzen - rund 20 Kilometer südlich von Beelitz - hatte am Nachmittag im Abstand weniger Stunden die Bewohner von Tiefenbrunnen, Frohnsdorf und Klausdorf aufgefordert, "geordnet und umgehend ihre Häuser zu verlassen. Notunterkunft ist die Stadthalle Treuenbrietzen!" Weiter heißt es von der Stadtverwaltung: "Das ist KEINE Übung!". Der schon am Freitag ausgebrochene Waldbrand breitet sich wegen der großen Trockenheit und immer wieder angefacht durch starke Winde weiter aus.

Flächen mit Munition verseucht

Die Stadtverwaltung richtete ein Notfall- und Info-Telefon ein (+49 33748 747 50). Bereits am Vortag war der Katastrophenfall ausgerufen worden. Mit Blick auf den Ortsteils Frohnsdorf sprach Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von einer deutlich dramatischeren Lage als 2018. "Wir müssen damit rechnen, dass sich die Situation weiter verschärft", sagte er. 600 Menschen mussten in den vergangenen Stunden bereits ihre Häuser verlassen. "Es kann sein, dass es zu weiteren Evakuierungen kommt", sagte er. Bei dem verheerenden Waldbrand 2018 hatten tagelang 400 Hektar Wald in Treuenbrietzen gebrannt.

"Wir haben derzeit 1400 Einsatzkräfte im Einsatz", sagte der SPD-Politiker. Überwiegend seien es Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Brandenburg, aber aus Sachsen-Anhalt. Außerdem wird Hilfe aus Berlin erwartet. Dazu kommen nach Woidkes Angaben Bundeswehrsoldaten und Kräfte des Technischen Hilfswerkes und anderer Rettungsorganisation.

Am frühen Nachmittag hatte das brandenburgische Innenministerium mitgeteilt, dass die Bundeswehr den umgehenden Einsatz von drei weiteren Hubschraubern zugesagt habe. Damit sind dann vier Hubschrauber der Luftwaffe im Einsatz. Die Polizei hilft zudem mit einem Wasserwerfer. Das Land hat inzwischen nach eigenem Bekunden seinen Krisenstab "jetzt auf Vollbetrieb" hochgefahren.

Sorgen bereitet den Einsatzkräften vor allem der Wetterbericht. In Brandenburg werden am Nachmittag Höchstwerte von bis zu 38 Grad, aber auch Windböen erwartet. Die Situation wird weiterhin dadurch erschwert, dass in der Region viele Flächen mit alter Munition verseucht sind. Dies lässt nur Bewegungen der etwa 400 Einsatzkräfte auf bestimmten Wegen zu. Nach Angaben des RBB waren bereits am Freitag Detonationsgeräusche zu hören.

Nachdem der Waldbrand am Freitag ausgebrochen war, loderte er zunächst auf einer Fläche von etwa 60 Hektar. Am Samstag verkleinerte er sich zwischenzeitlich auf noch gut 40 Hektar, ehe er wieder anwuchs. Vor vier Jahren hatte es in der Gegend schon einmal einen großen Waldbrand gegeben: Damals wurden rund 400 Hektar Wald zerstört, mehr als 500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 19. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, chr/jwu/AFP/dpa

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