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Debatte um Kindererziehung Wales entscheidet übers Ohrfeigen

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Das Wohl walisischer Kinder beschäftigt zurzeit die keltische Nation mehr denn je.

(Foto: imago/i Images)

Hier ein Klaps auf den Po, dort eine Ohrfeige: In Wales sind derlei Erziehungsmaßnahmen den Eltern unter Umständen erlaubt. Das möchte die Regierung ändern - und eröffnet eine kontroverse Debatte.

Die Frage scheint simpel: Sollen Eltern ihre Kinder mit Ohrfeigen oder einem Klaps aufs Hinterteil erziehen dürfen? "Reasonable punishment", zu Deutsch etwa "angemessene Bestrafung", nennen Briten bislang derartige Erziehungsmaßnahmen, die vermeintlich aus längst vergangenen Tagen stammen. Umso mehr mag es verwundern, dass sich das Land Wales mit einem eindeutigen Nein auf die Frage schwer tut.

Eine kontroverse Debatte hat Huw Irranca-Davies ausgelöst, seines Zeichens oberster Herr im walisischen Ministerium für Kinder und soziale Fürsorge. Geht es nach ihm und seinen Kabinettskollegen, gehört das derzeit geltende Elternrecht zum Ohrfeigen abgeschafft. "Wir alle wollen unseren Kindern den besten Start ins Leben ermöglichen", zitiert ihn das Nachrichtenportal "Wales Online". Als Vater dreier Söhne wisse er selbst, wie herausfordernd Erziehung sein kann. Im Gegensatz zu früheren Generationen sei körperliche Bestrafung von Kindern in der keltischen Nation nun jedoch "nicht mehr akzeptabel".

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Nun gibt Irranca-Davies seinen etwa drei Millionen Landsleuten ganze drei Monate Zeit, um sich zu dem Reformplan zu äußern. Den Gesetzestext können sie auf der Website der Regierung studieren. Doch auch wenn darin betont wird, dass die Abschaffung des elterlichen Ausnahmerechts auf "reasonable punishment" nicht zu einem neuen Straftatbestand führen würde - einige Waliser begehren auf.

Unter dem Namen "Be Reasonable" ("Sei vernünftig") finden sich diejenigen zusammen, die den Status quo bewahren möchten. Die Initiative startete eine Petition, die sich gegen die Kriminalisierung von "guten Eltern" richtet - und das Vorhaben der "schlechten Politiker" anprangert. In einer Mitteilung kritisiert Initiativen-Sprecherin Lowri Turner, dass die Regierung "ein sanftes Klatschen auf der Rückseite der Beine von einer liebenden Mutter" mit Prügel gleichsetzen wolle. Der Seite zufolge teilen bislang mehr als 1500 Personen Turners Ansichten.

Unicef: "Ein globales Phänomen"

Das Kinderhilfswerk Unicef begrüßt hingegen den Vorstoß der walisischen Regierung. "Grundsätzlich bewerten wir es positiv, wenn Gewalt gegenüber Kindern beendet wird", sagt Unicef-Kinderrechtsexpertin Ninja Charbonneau im Gespräch mit n-tv.de. Sie betont jedoch, dass die bisherige britische Akzeptanz von Ohrfeigen und ähnlichen Erziehungsmaßnahmen kein Einzelfall sei: "In vielen Teilen der Welt gelten solche Methoden als unproblematisch. Es handelt sich um ein globales Phänomen, das selbst in den besten Familien vorkommt, auch in Deutschland", sagt Charbonneau und verweist darauf, dass hierzulande das Recht auf gewaltfreie Erziehung erst seit dem Jahr 2000 gesetzlich festgeschrieben ist. Laut Paragraf 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind "körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen" verboten.

Laut Charbonneau sollten Eltern und Erzieher ihre Kinder vielmehr in dem bestärken, was sie gut machen, anstatt sie für Fehlverhalten harsch zu maßregeln: "Lieber neunmal loben als einmal schimpfen." Ob die Waliser der Argumentation von Unicef und Irranca-Davies folgen, können sie die Regierung in Cardiff bis Anfang April wissen lassen. Falls ja, dürfte sich eine entsprechende Gesetzesänderung noch mindestens zwei Jahre hinziehen.

Quelle: n-tv.de

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