Panorama

Neues zu Vergewaltigungsvorwurf Warum die Thüringer Polizisten in Haft sitzen

Bei einer Personenkontrolle sollen zwei Thüringer Polizisten gemeinsam eine Frau sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Aus Polizeikreisen erfährt RTL Details zum möglichen Tatverlauf - darunter auch einen Grund, weshalb die beiden Beamten jetzt in Untersuchungshaft sitzen.

Zwei Thüringer Polizisten sollen im Dienst gemeinsam eine Frau sexuell missbraucht und vergewaltigt haben, die sich in Polizeigewahrsam befand. Beide Beamte sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Jetzt werden neue Details zum Fall bekannt: Nach Informationen von RTL habe die Frau Angaben zu intimen Köpermerkmalen der mutmaßlichen Täter machen können. Außerdem seien bei der Frau fremde Körperflüssigkeiten festgestellt worden.

Am vergangenen Samstag kontrollierten Polizisten bei einer "verdachtsunabhängigen Personenkontrolle" die Ausweise einer mutmaßlich aus Polen stammenden Frau und ihres männlichen Begleiters. Das erfuhr RTL aus Polizeikreisen. Dabei ergab sich der Verdacht, dass die Ausweisdokumente gefälscht seien.

Die beiden kontrollierten Personen seien daraufhin auf die Dienststelle in Arnstadt gebracht worden, wo sich der Verdacht der gefälschten Papiere bestätigt haben soll. Daraufhin seien drei Polizeibeamte mit dem Mann und der Frau zu der Wohnung der Frau gefahren, um dort nach den Originaldokumenten zu suchen.

Dritter Polizist befand sich außerhalb der Wohnung

Zwei Beamte hätten zusammen mit der Frau die Wohnung betreten. Ein dritter Polizist soll laut den Insidern gemeinsam mit dem Mann der kontrollierten Frau in der Nähe der Wohnung gewartet haben. In der Wohnung soll es dann zu der Vergewaltigung gekommen sein. Die Frau soll einen Tag nach der mutmaßlichen Vergewaltigung ausgesagt und die Beamten beschuldigt haben. Bei der Frau sollen laut Polizeikreisen Fremdflüssigkeiten festgestellt worden sein, unklar ist, ob ein DNA-Ergebnis bereits vorliegt. Außerdem soll die Frau in der Lage gewesen sein, detaillierte Angaben zu intimen Körpermerkmalen der Beamten zu machen. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass die beiden jetzt in Untersuchungshaft sitzen.

Im Anschluss an die Tat von vergangenem Samstag wurde der jüngere der beschuldigten Polizisten nach einer Durchsuchung der Wohnungen am Dienstag festgenommen. Der ältere Kollege war nach Informationen von RTL zunächst nicht auffindbar, sei aber schließlich auf der Flucht gefasst worden. Bei der Festnahme soll er sich gewehrt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beamten gemeinschaftlichen sexuellen Missbrauch in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall vor. Die Tatverdächtigen hätten sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Im Fall einer Verurteilung drohen den beiden Beamten laut Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen 3 und 15 Jahren.

Innenminister Maier: Konsequenzen möglich

Nach Angaben von SPD-Innenminister Maier wurden direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Staatsanwaltschaft und die Experten für interne Ermittlungen der Landespolizeidirektion eingeschaltet. "Wenn sich der Vorwurf bestätigen sollte, wäre dies nicht nur eine schwere Straftat, sondern würde auch erhebliche dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen", erklärte der Minister. Er sprach von gravierenden Vorwürfen, die, sollten sie sich bestätigen, das Vertrauen in die Polizei mindern könnten. Von Polizisten werde erwartet, dass sie sich vorbildlich verhielten.

Der Vorfall zeige, dass die internen Ermittlungen schnell gegriffen und die Polizei konsequent auch gegen eigene Kollegen ermittelt habe, erklärte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Dirk Adams. Auch innerhalb der Polizei sorgte der Fall für Entsetzen und Diskussionen, hieß es aus verschiedenen Dienststellen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

Mehr zum Thema